Viele Schwangere holen sich Ernährungsinformationen aus dem Internet – mit teils deutlichen Abweichungen von professionellen Empfehlungen. Eine aktuelle Studie aus Deutschland liefert Hinweise auf Wissenslücken und Fehleinschätzungen – auch bei Nahrungsergänzungsmitteln.
Die Ernährung in der Schwangerschaft hat einen direkten Einfluss auf die Gesundheit von Mutter und Kind – nicht nur kurzfristig, sondern auch mit Blick auf die spätere Entwicklung des Kindes. Dennoch orientieren sich viele Schwangere nicht an fundierten Empfehlungen, sondern an Informationen aus dem Internet. Das zeigt eine aktuelle Querschnittsstudie von Alexandra Hett und Martin Smollich vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, die das Informationsverhalten und die Umsetzung ernährungsbezogener Empfehlungen bei schwangeren Frauen untersucht hat.
Informationssuche oft online
Die Studie basiert auf einer deutschlandweiten Online-Befragung über soziale Medien von über 3.300 Frauen ab der 6. Schwangerschaftswoche. Die Mehrheit der Teilnehmerinnen gab an, ihre Ernährung während der Schwangerschaft bewusst verändert zu haben. Eine qualifizierte Ernährungsberatung nahmen jedoch nur rund 18 Prozent in Anspruch.
Stattdessen nutzten 78 Prozent der Befragten Onlinequellen als wichtigste Informationsquelle – mit entsprechenden Unsicherheiten: Zwar waren bekannte Risiken durch den Verzehr von rohem Fleisch, Rohmilchprodukten oder rohem Fisch vielen Schwangeren geläufig, gleichzeitig zeigte sich eine Tendenz zur Übervorsicht. Ein Drittel verzichtete vollständig auf Kaffee oder schwarzen Tee, obwohl das nach aktuellem Stand der Wissenschaft nicht erforderlich ist, wenn man die richtigen Mengen beachtet.
Folsäure: bekannt – aber oft falsch dosiert
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie lag auf der Supplementierung von Nährstoffen. 89 Prozent der Frauen nahmen Nahrungsergänzungsmittel ein, vor allem Folsäure (88%) und Jod (66%). Doch bei Dosierung und Einnahmedauer zeigten sich deutliche Abweichungen von den Empfehlungen – insbesondere bei Jod. So hielten 37 Prozent der Frauen bei Folsäure und 46 Prozent bei Jod die Vorgaben nicht ein.
Mangel an evidenzbasierter Aufklärung
Problematisch ist auch die Verbreitung von Empfehlungen ohne gesicherte wissenschaftliche Grundlage: Rund ein Viertel der Schwangeren gab an, Hinweise zur Lebensmittelvermeidung zur Allergieprävention erhalten zu haben, obwohl aktuelle Empfehlungen dieses Vorgehen nicht unterstützen.
Die Studienautorinnen und Studienautoren betonen die Relevanz standardisierter Beratung durch qualifizierte Fachkräfte, um eine ausgewogene, risikobasierte Ernährung vor allem in der Schwangerschaft zu fördern. Ziel müsse sein, fundiertes Wissen verfügbar zu machen – verständlich und alltagsnah.
Österreich: Angebot zur frühen Ernährungsbildung
Auch in Österreich wird die Bedeutung frühzeitiger, evidenzbasierter Ernährungsinformation betont. Mit dem Programm „Richtig essen von Anfang an!“, das von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) unterstützt wird, steht ein bundesweites Angebot zur Verfügung. Es richtet sich an Schwangere, Stillende, Familien und Fachpersonal – mit praxisnahen Empfehlungen und Informationen basierend auf den österreichischen Leitlinien.




