Kälte, Infekte und weniger Bewegung beeinflussen die Blutzuckereinstellung vieler Menschen mit Diabetes. In der Offizin sind Apothekerinnen, Apotheker und PKAs in den Wintermonaten häufig erste Ansprechpartner bei Fragen zu Insulin, Messtechnik, Hautproblemen oder Infekten. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) zeigt auf, worauf auch in der Apotheke bei der Kundenberatung geachtet werden sollte.
Insulin und Messtechnik: zentrale Beratungsthemen im Winter
Tiefe Temperaturen können die Wirksamkeit von Insulin erheblich beeinträchtigen. Bereits unter +2 Grad Celsius kann Insulin einfrieren und dadurch seine Wirkung verlieren – auch dann, wenn das Präparat äußerlich unverändert erscheint.
Auch Blutzuckermessgeräte, Teststreifen und Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) reagieren empfindlich auf Kälte. Bei Insulinpumpen können Schläuche steif werden oder abknicken, was die Insulinzufuhr beeinflusst. Der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe (VDBD) rät daher, Insulin und Technik im Winter möglichst körpernah zu tragen und nicht in Außentaschen oder Rucksäcken aufzubewahren.

Insulin und Technik sollten im Winter immer nah am Körper getragen werden, damit sie nicht auskühlen.
Yvonne Häusler
Diabetesberaterin
Yvonne Häusler, Diabetesberaterin und Vorstandsmitglied des VDBD warnt außerdem, dass kältebedingte Messfehler zu falschen Insulindosierungen führen können.
Schwankende Blutzuckerwerte: Aufklärung im Beratungsgespräch
Im Winter berichten viele Patientinnen und Patienten über unerklärliche Schwankungen ihrer Blutzuckerwerte. Die Ursache ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Der Körper verbraucht bei Kälte mehr Energie, was den Blutzucker senken kann. Gleichzeitig steigt die Ausschüttung von Stresshormonen, die die Insulinwirkung abschwächen.
Hinzu kommt häufig eine reduzierte körperliche Aktivität. Längere Ruhephasen können die Werte ansteigen lassen. In der Beratung in der Apotheke ist es daher sinnvoll, bei entsprechenden Nachfragen auf häufigere Blutzuckerkontrollen hinzuweisen oder die Sensorverläufe gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden zu thematisieren.
Polyneuropathie: Früherkennung durch gezielte Nachfrage
Viele Menschen mit Diabetes entwickeln im Verlauf eine diabetische Polyneuropathie – eine Erkrankung, bei der mehrere Nerven des peripheren Nervensystems geschädigt werden. Das kann zu Kribbeln, Taubheit oder Muskelschwäche führen. Dadurch ist die Wahrnehmung von Kälte, Druck oder Schmerzen eingeschränkt. „Viele spüren nicht einmal, wenn ihre Füße im Winter zu kalt werden“, erklärt Häusler.
In der Apotheke können Hinweise auf trockene Haut, Risse oder Druckstellen ein wichtiger Anlass für ein Beratungsgespräch sein. Die Kombination aus kalter Außenluft und trockener Heizungsluft belastet die Haut zusätzlich. Ein Hinweis auf tägliche Fußkontrollen, gut sitzende Winterschuhe und geeignete Socken aus wärmenden, atmungsaktiven Materialien kann hier sinnvoll sein. Auch die Empfehlung geeigneter Pflegeprodukte spielt eine zentrale Rolle.
Infekte und Selbstmedikation: Blutzucker im Blick behalten
Erkältungen und Grippe treten im Winter häufiger auf und treiben den Blutzucker in die Höhe. „Eine vitaminreiche Ernährung mit Wintergemüse wie Grünkohl, Pastinaken, Rosenkohl oder Rotkohl kann das Immunsystem unterstützen. Bewegung an der frischen Luft wirkt einem ‚Winterblues‘ entgegen und hilft überdies dem Stoffwechsel“, sagt Kathrin Boehm, Vorstandsvorsitzende des VDBD.
Zusätzlich sollte auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr und häufigere Blutzuckerkontrollen hingewiesen werden. Bleiben die Werte über längere Zeit erhöht, ist der Verweis an das behandelnde Diabetesteam sinnvoll.
Kinder mit Diabetes: Beratung auch für Eltern wichtig
Intensive Bewegung im Schnee kann den Blutzucker rasch senken, während längeres Sitzen im Warmen eher zu erhöhten Werten führt. Daher sollten auch Kinder, die unter Diabetes leiden, aber auch deren Eltern bestimmte Aspekte im Winter berücksichtigen.
„Insulin kühlt im Schulranzen sehr schnell aus, besonders in Außentaschen. Im Winter gehört es gut isoliert und möglichst körpernah verstaut“, erklärt Häusler. Eltern sollten darauf hingewiesen werden, vor und nach Outdooraktivitäten die Werte zu kontrollieren, schnelle Kohlenhydrate griffbereit zu haben und nasse Kleidung rasch zu wechseln. Auch die Hautpflege an Einstichstellen ist in der kalten Jahreszeit besonders wichtig.




