Bronchiektasen verursachen bleibende Schäden an den Atemwegen und führen häufig zu Husten, Atemnot und Infektionen. Eine aktuelle Umfrage der Österreichischen Lungenunion zeigt: Die Erkrankung wird in Österreich zu selten erkannt, zu spät behandelt und ist in der Bevölkerung kaum bekannt.
Bronchiektasen: Was hinter der chronischen Lungenerkrankung steckt
Bronchiektasen sind bleibende, krankhafte Erweiterungen der Bronchien. Es gibt eine angeborene sowie eine erworbene Form. Zweitere entstehen meist durch wiederholte oder nicht ausgeheilte Infektionen der Atemwege, vor allem im frühkindlichen Alter. Die geschädigten Bronchien verlieren ihre Fähigkeit, Schleim effektiv abzutransportieren – was zu chronischem Husten, starker Schleimbildung, Kurzatmigkeit und häufigen Lungeninfektionen führt.
Im Gegensatz zur akuten Bronchitis, die meist reversibel verläuft, führen Bronchiektasen zu dauerhaften strukturellen Veränderungen in der Lunge. Diese Veränderungen begünstigen eine chronische Entzündung, die das Fortschreiten der Erkrankung weiter fördert.
Obwohl Bronchiektasen nicht heilbar sind, lässt sich die Symptomatik durch gezielte Therapien wie Atemphysiotherapie, Medikamente oder Rehabilitationsmaßnahmen gut kontrollieren.
Aktuelle Umfrage zeigt: Erkrankung oft zu spät erkannt
Eine im Auftrag der Österreichischen Lungenunion (ÖLU) durchgeführte Online-Umfrage mit 4.149 Personen ab 45 Jahren – darunter 707 mit diagnostizierten Atemwegs- oder Lungenerkrankungen belegt, dass Bronchiektasen oft unzureichend bekannt und spät diagnostiziert werden.
Nur ein Drittel der befragten Nicht-Betroffenen hatte schon einmal von der Erkrankung gehört. Besonders niedrig ist der Bekanntheitsgrad unter Asthma-Erkrankten. Zwei Drittel der Betroffenen erfuhren erst durch ärztliches Fachpersonal von der Diagnose.
Zusätzliche Erkrankungen häufig – vor allem Rheuma und Reflux
Die Umfrageergebnisse zeigen auch, dass Bronchiektasen häufig gemeinsam mit anderen Erkrankungen auftreten.

Diese Zahlen belegen die enge Verbindung der Erkrankung mit anderen immunologischen oder systemischen Krankheitsbildern.
Lungen-CT als Schlüsselinstrument der Diagnostik
Ein weiteres zentrales Ergebnis lieferten Patientinnen und Patienten mit Asthma, COPD oder unspezifischer obstruktiver Lungenerkrankung. Sie erhielten in den vergangenen drei Jahren ein Lungen-CT. In 40 Prozent dieser Fälle wurde explizit auf Bronchiektasen hingewiesen.
Alltag stark belastet – Angebote zu wenig genutzt
Bronchiektasen beeinträchtigen das tägliche Leben der Betroffenen deutlich. Laut Umfrage klagen viele über Atemnot, hartnäckigen Husten und starke Müdigkeit. Im Durchschnitt bewerten die Betroffenen die Einschränkung durch die Erkrankung mit 4,5 von 10 Punkten. Besonders spürbar sind die Belastungen in der Freizeit und bei alltäglichen Aufgaben wie dem Haushalt. Auch die emotionale Belastung ist hoch – rund ein Drittel der Befragten gab an, unter psychischem Druck zu stehen.
Trotz verfügbarer Behandlungsoptionen wie Rehabilitation, Atem- oder Physiotherapie nutzen Betroffene diese Angebote bislang kaum. Nur ein Viertel der Befragten hat bisher an einer Reha teilgenommen, ebenso wenige nutzen therapeutische Unterstützung. Fast die Hälfte der Betroffenen hat noch keine dieser Möglichkeiten in Anspruch genommen – ein deutliches Signal für bestehende Hürden im Zugang zu Versorgung und Information.
Versorgung muss gezielt verbessert werden
Die ÖLU sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Sie fordert eine verstärkte Aufklärung, eine frühzeitige Diagnostik sowie eine bessere Integration und Vermittlung von Therapieprogrammen. Bronchiektasen sind häufiger als bislang angenommen und betreffen auch Personen mit anderen chronischen Erkrankungen. Die aktuelle Umfrage unterstreicht den dringenden Bedarf nach mehr Aufmerksamkeit, Information und gezielter Versorgung.
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