Start Apotheke Lieferengpässe bei 1.300 Medikamenten: Apotheken stemmen die Versorgung

Lieferengpässe bei 1.300 Medikamenten: Apotheken stemmen die Versorgung

Apotheken stehen unter Druck: Sie kämpfen täglich darum, notwendige Medikamente für ihre Patientinnen und Patienten zu beschaffen – trotz Engpässen bei über 1.300 Arzneimitteln.

Die Liste der betroffenen Medikamente ist lang. Laut dem Arzneimittel-Vollgroßhändler Phago kommt es aktuell unter anderem bei Antidiabetika, antibiotischen Augentropfen und einzelnen Psychopharmaka zu Lieferschwierigkeiten. Auch beim Impfstoff gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) sei die Versorgung nicht gesichert, kritisiert die Wiener Ärztekammer.

Anhaltende Mehrbelastung in Apotheken

Lieferengpässe begleiten den Apothekenalltag seit mehreren Jahren und stellen das pharmazeutische Personal weiterhin vor organisatorische Herausforderungen. Täglich müssen Verfügbarkeiten geprüft, Kontingente abgerufen und therapeutisch gleichwertige Alternativen recherchiert werden. Diese zusätzlichen Aufgaben erfordern Zeit und Koordination, auch wenn sie mittlerweile zum Routinebestandteil geworden sind.

Diabetesmittel, Augentropfen und Impfstoffe betroffen

Wie Phago berichtet, sind derzeit viele Hersteller zu wochenweisen Kontingentierungen gezwungen. Auch wenn einzelne Medikamente kurzfristig verfügbar sind, können Apotheken oft nicht sicher planen. Besonders häufig betroffen seien Diabetesmedikamente, auch bei antibiotischen Augentropfen käme es zu zahlreichen Ausfällen.

Im Bereich der Psychopharmaka bestehe laut Phago weiter Beobachtungsbedarf. Für den Wirkstoff Bupropion, eingesetzt zur Behandlung von Depressionen und zur Raucherentwöhnung, sind beim Großhandel aktuell zwar alle Stärken verfügbar. In der Datenbank des BASG ist jedoch eine eingeschränkte oder keine Verfügbarkeit vermerkt. 

Gürtelrose-Impfstoff teils schwer verfügbar

Die kostenlose Impfung gegen Gürtelrose (Herpes Zoster) ist seit November 2025 für Personen ab 60 Jahren sowie bestimmte Risikogruppen kostenlos vorgesehen. Die Wiener Ärztekammer kritisierte zuletzt, dass der Impfstoff hierfür erneut nicht verfügbar sei. Besonders problematisch sei, dass die Impfung zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten erfordert. Viele Patientinnen und Patienten hätten bislang nur die erste Teilimpfung erhalten, ob die Zweite rechtzeitig verfügbar ist, ist fraglich. Auf Nachfrage von PharmaNow in einigen Apotheken kam die Rückmeldung, dass der Impfstoff lagernd und lieferbar sei. Jedoch scheint eine flächendeckende Versorgung aktuell nicht gesichert. 

Gesundheitsministerium sieht keinen Grund zur Sorge

Das Gesundheitsministerium betont in einem Statement, dass Impfstoffe weltweit produziert und schrittweise ausgeliefert würden. Das Impfprogramm laufe bis 2028 – bis dahin seien alle Dosen für die berechtigten Gruppen kostenlos verfügbar. Bei der Gürtelrose-Impfung seien bisher rund 400.000 Dosen bereitgestellt worden, mindestens 200.000 weitere seien eingeplant.

Auch bei Medikamentenlieferungen sei zu differenzieren. Nicht jedes fehlende Produkt bedeute automatisch einen Mangel am Wirkstoff selbst. In vielen Fällen stehen wirkstoffgleiche Alternativen anderer Hersteller zur Verfügung.

Apotheken benötigen verlässliche Rahmenbedingungen

Während die Kommunikation des Ministeriums auf Beruhigung abzielt, bleibt die Realität in den Apotheken angespannt. Der Mehraufwand durch ständige Rücksprachen mit Großhandel, Herstellern und Patientinnen und Patienten ist enorm – und wächst mit jeder neuen Meldung über Lieferprobleme.
Es braucht verlässliche Informationen, vorausschauende Planung und politischen Rückhalt.

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