Start News Alterseinsamkeit: Ursachen, Risiken und Lösungen

Alterseinsamkeit: Ursachen, Risiken und Lösungen

Werbung

Einsamkeit im Alter ist weit verbreitet und kann schwerwiegende Folgen haben – bis hin zu Suizidgedanken. Eine neue Initiative fordert mehr Aufmerksamkeit, konkrete Maßnahmen und ein gesellschaftliches Umdenken. Gleichzeitig zeigen einfache Angebote im Alltag Wege aus der Isolation.

Mit zunehmendem Alter wächst auch das Suizidrisiko. Im Jahr 2023 haben sich in Österreich 600 Menschen über 60 das Leben genommen. Darauf machten die Präsidentinnen des Seniorenrates, Ingrid Korosec und Birgit Gerstorfer, bei einer Pressekonferenz aufmerksam.

Korosec sprach von einem „gesamtpolitischen Versagen“ und forderte eine umfassende Strategie gegen Alterseinsamkeit. Gleichzeitig betonte sie die Verantwortung jedes Einzelnen, genauer hinzusehen und nicht wegzuschauen.

Ingrid Korosec, Präsidentin des Seniorenrates Österreich, bei einer Pressekonferenz zum Thema Alterseinsamkeit
© OEVPWien

Diese Menschen wollen nicht sterben, aber sie wollen nicht so weiterleben.

Ingrid Korosec
Präsidentin des Seniorenrates Österreich

Warum Einsamkeit im Alter zunimmt

Viele ältere Menschen führen ein erfülltes Leben. Es gibt jedoch eine besonders gefährdete Gruppe, die Gefahr läuft zu vereinsamen, wie Thomas Kapitany, Leiter des Kriseninterventionszentrums Wien, erklärte.

Zu den häufigsten Ursachen zählen:

  • Verlust des Partners oder nahestehender Menschen
  • Übergang in die Pension und Verlust von Struktur
  • gesundheitliche Einschränkungen
  • eingeschränkte Mobilität und Selbstständigkeit
  • soziale Isolation und fehlende Kontakte

Hinzu kommt, dass Kinder und Angehörige in ihrem eigenen Alltag oft stark eingebunden sind und somit regelmäßige soziale Interaktionen abnehmen. Viele Betroffene ziehen sich schrittweise zurück und Einsamkeit wird zur Gewohnheit. Wenn Gefühle wie Hilflosigkeit und Abhängigkeit zunehmen, kann das zur Entwicklung von Suizidgedanken beitragen.

Früh hinschauen und ansprechen

Ein wichtiges Anliegen der Expertinnen und Experten ist es, Bewusstsein zu schaffen. Veränderungen im Verhalten sollten ernst genommen werden. Das Kriseninterventionszentrum und der Seniorenrat haben deshalb eine Broschüre neu überarbeitet und in Umlauf gebracht. Diese richtet sich an Betroffene, Angehörige und professionelle Helfer und kann in Papierform bestellt oder hier digital heruntergeladen werden. 

„Es ist wichtig, sich über diese Schwelle drüberzutrauen“, betonte Kapitany. Das direkte Ansprechen entlaste Betroffene und eröffne Wege zur Hilfe.

Unterstützung bietet unter anderem auch die Telefonseelsorge (Notruf 142), die rund um die Uhr erreichbar ist. Auch das vom Gesundheitsministerium angebotene Suizidpräventionsprogramm SUPRA bietet weiterführende Informationen und Hilfe an.

Einsamkeit als Gesundheitsrisiko

Der Seniorenrat fordert, Einsamkeit als eigenständigen Gesundheitsrisikofaktor anzuerkennen. Auch Hausärztinnen und -ärzte spielen eine wichtige Rolle, da sie häufig früh Veränderungen ihrer Patientinnen und Patienten wahrnehmen. Depressionen werden im Alter oft übersehen, obwohl sie gut behandelbar sind.

Korosec plädierte für mehr gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen und bessere Möglichkeiten, auch in der Pension aktiv zu bleiben.

Digitalisierung als zusätzliche Hürde

Die fortschreitende Digitalisierung kann die Isolation verstärken. Laut Gerstorfer vermeiden manche älteren Menschen alltägliche Situationen, wie etwa das Busfahren, weil digitale Systeme für das Erlangen eines Tickets schon überfordern können. Analoge Angebote bleiben daher ein wichtiger Bestandteil sozialer Teilhabe.

Wege aus der Einsamkeit: praktische Ansätze

Neben politischen Maßnahmen gibt es zahlreiche niedrigschwellige Möglichkeiten, Einsamkeit aktiv entgegenzuwirken:

  • Gemeinschaft suchen
  • Seniorentreffs oder Seniorencafés besuchen
  • an organisierten Gruppenaktivitäten teilnehmen
  • aktiv bleiben, regelmäßige Spaziergänge, vielleicht findet man Gleichgesinnte
  • Spielpartner finden, etwa für Kartenspiele
  • ein neues, machbares Hobby beginnen (Häkeln, Sammeln, Zeichnen, Schreiben)
  • eigene Initiativen wie ein Nähkränzchen gründen
  • Freiwilligenarbeit, etwa beim Roten Kreuz als Lesepatin oder Lesepate in Schulen

Viele Organisationen bieten sowohl Unterstützung als auch Möglichkeiten zur aktiven Mitarbeit. Fixe Termine und regelmäßige Treffen helfen, Struktur und soziale Kontakte aufzubauen.

Gesellschaft in der Verantwortung

„Diese Menschen wollen nicht sterben, aber sie wollen nicht so weiterleben“, unterstrich Korosec. Der Appell richtet sich an Politik, Institutionen und Gesellschaft gleichermaßen. Ziel müsse es sein, ältere Menschen stärker einzubinden – durch soziale Angebote, persönliche Ansprache und strukturelle Maßnahmen.


Neue Artikel

Gratis Zuckercheck in Wiener Apotheken

Zahlreiche Wiener Apotheken bieten vom 13. bis 25. April kostenlose HbA1c-Tests zur Früherkennung von Prädiabetes an – schnell, niederschwellig...

Parkinson: Therapieoptionen oft zu spät genutzt

Viele Patientinnen und Patienten mit Parkinson in Österreich erreichen ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium, ohne moderne Therapieoptionen auszuschöpfen. Dabei könnten gerätegestützte...

Haaranalyse zeigt innere Uhr

Ein Forschungsteam der Charité Berlin hat einen neuen Test entwickelt, der den Chronotyp anhand von Haarwurzeln bestimmt. Die Methode...

Deutliche Unterversorgung bei psychisch Kranken

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen sterben deutlich früher als die Allgemeinbevölkerung. Ein internationales Expertenteam fordert nun konkrete Maßnahmen, um...

 Weitere Artikel

Gratis Zuckercheck in Wiener Apotheken

Zahlreiche Wiener Apotheken bieten vom 13. bis 25. April kostenlose HbA1c-Tests zur Früherkennung von Prädiabetes an – schnell, niederschwellig...

Parkinson: Therapieoptionen oft zu spät genutzt

Viele Patientinnen und Patienten mit Parkinson in Österreich erreichen ein fortgeschrittenes Krankheitsstadium, ohne moderne Therapieoptionen auszuschöpfen. Dabei könnten gerätegestützte...

Haaranalyse zeigt innere Uhr

Ein Forschungsteam der Charité Berlin hat einen neuen Test entwickelt, der den Chronotyp anhand von Haarwurzeln bestimmt. Die Methode...