Zum 30. Welt-Rheuma-Tag am 12. Oktober warnt die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation vor einer gravierenden Unterversorgung in Österreich. Bundesweit gibt es laut Fachgesellschaft nur 32 Rheumatologinnen und Rheumatologen mit Verträgen bei allen Kassen. Während die ÖGR bessere Versorgungsstrukturen fordert, untersucht ein Forschungsteam in Innsbruck neue Ansätze zur Behandlung bestimmter rheumatischer Erkrankungen.
Rheumatische Erkrankungen betreffen bis zu ein Viertel der österreichischen Bevölkerung. Dennoch ist der Zugang zur spezialisierten fachärztlichen Versorgung nach Einschätzung der Österreichischen Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR) vielerorts unzureichend. Anlässlich des Welt-Rheuma-Tags am 12. Oktober fordert die Fachgesellschaft Maßnahmen, um die Versorgung langfristig sicherzustellen.
Rheuma umfasst rund 400 Erkrankungen
Rheuma ist keine einzelne Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für rund 400 unterschiedliche Krankheitsbilder. Laut dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at zählen dazu entzündlich-rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis, degenerative Gelenkerkrankungen wie Arthrose, rheumatische Schmerzkrankheiten sowie Stoffwechselerkrankungen wie Gicht.
Häufig gehen diese Erkrankungen mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einher. Betroffen sein können neben Gelenken, Muskeln und Sehnen auch innere Organe. Rheuma ist zudem keine reine Alterskrankheit: Während degenerative Formen häufiger im höheren Lebensalter auftreten, können entzündlich-rheumatische Erkrankungen auch junge Erwachsene sowie Kinder und Jugendliche betreffen.
Nur 32 Rheumatologen mit Kassenverträgen
Die ÖGR sieht insbesondere im niedergelassenen Bereich erheblichen Handlungsbedarf. Österreichweit verfügen laut ihrer aktuellen Aussendung lediglich 32 Rheumatologinnen und Rheumatologen über Verträge mit allen Kassen. Die meisten niedergelassenen Fachärztinnen und Fachärzte sind hingegen als Wahlärztinnen und Wahlärzte tätig.
Hinzu kommt die Altersstruktur: 45 Prozent aller Rheumatologinnen und Rheumatologen sind über 55 Jahre alt. Die Fachgesellschaft befürchtet deshalb eine weitere Verschärfung der Versorgungssituation in den kommenden Jahren.
In manchen Regionen fehle eine fachspezifische rheumatologische Versorgung vollständig. Betroffene müssten daher längere Wartezeiten und Anfahrtswege in Kauf nehmen oder auf Spitalsambulanzen ausweichen.
ÖGR-Präsidentin Dr. Christina Duftner, fordert eine österreichweit einheitliche und leistungsgerechte Honorierung rheumatologischer Leistungen. Dabei gehe es insbesondere um aufwendige Kontrolluntersuchungen, die Beratung und Aufklärung bei immunsuppressiven Therapien sowie spezifische Leistungen wie Ultraschalluntersuchungen.
Zusätzlich spricht sich die Fachgesellschaft für die Einführung einer Rheuma-Fachassistenz aus. Gesundheitsberufe, insbesondere Pflegekräfte, sollen durch eine spezifische rheumatologische Ausbildung stärker in die Betreuung und Beratung von Patientinnen und Patienten eingebunden werden können.
Innsbrucker Forschung untersucht neue Therapieansätze
Neben den Versorgungsproblemen stehen auch die Behandlungsmöglichkeiten rheumatischer Erkrankungen im Fokus der Forschung. An der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht ein Team um Dr. Sandra Santos-Sierra die Entzündungsmechanismen bei Polymyalgia rheumatica (PMR) und Riesenzellarteriitis (RZA).
Bei der PMR treten Schmerzen und Steifigkeit vor allem im Schulter- und Beckenbereich auf. Die Riesenzellarteriitis ist hingegen eine entzündliche Erkrankung der Blutgefäße. Beide Erkrankungen werden häufig mit Kortikosteroiden behandelt. Diese können jedoch langfristig erhebliche Nebenwirkungen verursachen und wirken nicht bei allen Betroffenen ausreichend.
Im Rahmen eines vom Wissenschaftsfonds FWF geförderten Projekts untersuchten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter sogenannte Toll-like-Rezeptoren (TLRs). Diese sind Bestandteil des angeborenen Immunsystems und spielen eine Rolle bei der Erkennung möglicher Krankheitserreger und Gewebeschäden.
Die Untersuchungen zeigten eine verstärkte Aktivität mehrerer dieser Rezeptoren sowie weiterer Entzündungssignale. Durch den Einsatz bestimmter Hemmstoffe konnten die Forschenden Entzündungsreaktionen in ihren Untersuchungen reduzieren. Daraus ergeben sich mögliche Ansatzpunkte für künftige Therapien. Ob diese auch klinisch eingesetzt werden können, muss allerdings erst weiter erforscht werden.
Die Ergebnisse liefern damit neue Erkenntnisse über die Krankheitsmechanismen. Bis daraus neue Behandlungs- oder Diagnoseverfahren entstehen, sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.




