Wer kurzsichtig ist, kann die dafür verantwortliche Veränderung des Auges nicht durch Ernährung oder Augenübungen rückgängig machen. Anders sieht es bei der Prävention im Kindesalter aus: Aufenthalte im Freien können das Risiko für die Entstehung einer Myopie beeinflussen. Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Vorbeugung und der Behandlung einer bereits bestehenden Fehlsichtigkeit.
Im Internet und in sozialen Medien kursieren zahlreiche Tipps, mit denen sich Kurzsichtigkeit angeblich verbessern oder sogar rückgängig machen lässt. Empfohlen werden etwa Augenübungen, der Verzicht auf die Brille, bestimmte Lebensmittel oder mehr Sonnenlicht. In sozialen Netzwerken berichten Nutzerinnen und Nutzer auch von niedrigeren Dioptrienwerten, die sie auf solche Maßnahmen zurückführen.
Wissenschaftlich lässt sich daraus jedoch keine Heilung einer bestehenden Myopie ableiten. Schwankende Dioptrienwerte können unter anderem von der Tagesform und den jeweiligen Messbedingungen abhängen.
Myopie (Kurzsichtigkeit) entsteht in der Regel dadurch, dass der Augapfel im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang ist. Das einfallende Licht wird dann nicht auf der Netzhaut, sondern davor gebündelt. Während nahe Gegenstände scharf erscheinen, werden weiter entfernte Objekte verschwommen wahrgenommen. Diese strukturelle Veränderung lässt sich durch Ernährung, Augenübungen oder Sonnenlicht nicht rückgängig machen.
Myopie entwickelt sich häufig im Kindesalter
Von Bedeutung ist dagegen die Phase, in der sich das Auge noch entwickelt. Der ausgewachsene menschliche Augapfel ist nach Angaben des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands im Durchschnitt rund 24 Millimeter lang. Eine Myopie kann sich bereits während des Wachstums im Kindesalter entwickeln.
Dabei wirken mehrere Faktoren zusammen. Nach Angaben der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft spielen sowohl genetische Voraussetzungen als auch Umwelteinflüsse eine Rolle. Studien zeigen, dass mehr Zeit im Freien das Risiko für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit senken kann. Längere Naharbeit, etwa vor Bildschirmen, wird hingegen mit einem höheren Myopierisiko in Verbindung gebracht.
Für die Praxis ist die zeitliche Einordnung wesentlich: Tageslicht kann insbesondere während der kindlichen Entwicklung präventiv relevant sein. Ist der Augapfel bereits strukturell verlängert, lässt sich diese Veränderung durch zusätzliche Aufenthalte im Freien nicht rückgängig machen.
Warum Augentraining die Ursache nicht beseitigt
Auch Übungen für die Augen setzen nicht an der anatomischen Ursache der Myopie an. Eine im Fachjournal „Eye“ veröffentlichte Meta-Analyse chinesischer Wissenschafterinnen und Wissenschafter kam zu dem Ergebnis, dass solche Übungen bei der Vorbeugung oder Begrenzung einer Kurzsichtigkeit nur eine begrenzte bis keine Wirksamkeit zeigen.
Schwankungen bei gemessenen Dioptrienwerten sind zudem nicht mit einer Heilung gleichzusetzen. Messbedingungen und Tagesform können die Ergebnisse beeinflussen. Eine veränderte Dioptrienzahl belegt für sich genommen keine Verkürzung des Augapfels.
Ernährung unterstützt die Augengesundheit – heilt aber keine Myopie
Auch bei der Ernährung muss zwischen allgemeiner Augengesundheit und der anatomischen Ursache einer Kurzsichtigkeit unterschieden werden. Karotten liefern Beta-Carotin, das der Körper zur Bildung von Vitamin A nutzen kann. Vitamin A erfüllt wichtige Funktionen für die Netzhaut. Die Verlängerung des Augapfels lässt sich damit jedoch nicht rückgängig machen.
Brillen und Kontaktlinsen setzen daher an einem anderen Punkt an: Sie korrigieren die Brechkraft so, dass ein scharfes Bild auf der Netzhaut entsteht. Auch bei einer Laseroperation wird die Brechkraft verändert. Die Länge des Augapfels selbst bleibt davon unberührt.




