In ausgewählten Apotheken in Wien und Oberösterreich können Patientinnen und Patienten künftig ärztliche Beratung per Videotelefonie erhalten. Das neue Angebot mit dem Namen ApoDoc richtet sich vor allem an Zeiten außerhalb regulärer Ordinationszeiten und soll eine rasche medizinische Abklärung ermöglichen.
Das Pilotprojekt ApoDoc der Österreichischen Apothekerkammer, UNIQA Health Services und Mavie Next läuft bis Ende Juni 2026. Derzeit nehmen 3 Wiener Apotheken daran teil. Mitte März sollen 12 Apotheken in Wien und Oberösterreich dazu kommen. Ziel ist es, telemedizinische Arztgespräche direkt in die Abläufe der Apotheke zu integrieren und damit zusätzliche Versorgungsangebote zu schaffen.
Arztgespräch per Video im Beratungsraum
Wenn nach Einschätzung des Apothekenpersonals eine rezeptfreie Selbstmedikation nicht ausreicht, können Patientinnen und Patienten in einem separaten Beratungszimmer ein ärztliches Gespräch per Video führen. Die Konsultation erfolgt über ein Tablet und wird von österreichischen Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmedizinern durchgeführt.

Niemand soll unversorgt die Apotheke verlassen. Das ist der Ansporn der Apothekerinnen und Apotheker.
Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr
Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer
Vor Beginn der Konsultation erfasst das Apothekenteam die Patientendaten und übermittelt sie an den Arzt. Auf dem Tablet sehen Patientinnen und Patienten außerdem die voraussichtliche Wartezeit. Falls erforderlich, stellt der Arzt nach dem Gespräch ein E-Rezept aus, das direkt in der Apotheke eingelöst werden kann.
Einsatz vor allem in Randzeiten
Die Apotheken bieten das telemedizinische Angebot zunächst in Randzeiten an:
- Freitag von 14 bis 18 Uhr
- Samstag von 8 bis 12 Uhr
Damit ermöglichen die Apotheken insbesondere außerhalb der üblichen Ordinationszeiten einen zusätzlichen Zugang zu medizinischer Beratung.
Zu den möglichen Anwendungsfällen zählen etwa Spitalsentlassungen am oder vor dem Wochenende, akute Harnwegsinfekte oder Bindehautentzündungen sowie Situationen, in denen nach positiven Tests auf z.B. COVID-19 oder Influenza rasch Medikamente benötigt werden.
Auch zusätzliche diagnostische Maßnahmen können eingebunden werden. So kann der Arzt während der Konsultation Labortests anfordern, sofern in der Apotheke entsprechende Point-of-Care-Testgeräte vorhanden sind.
Ergänzung zur bestehenden Versorgung
Nach Angaben der Österreichischen Apothekerkammer versteht sich das Angebot ausdrücklich als Ergänzung zur bestehenden ärztlichen Versorgung und nicht als Ersatz für den niedergelassenen Bereich.
Ziel sei es vor allem, Patientinnen- und Patientenströme besser zu steuern und unnötige Besuche in Spitalsambulanzen zu vermeiden. Reicht die Videokonsultation nicht aus, verweist der Arzt die Patientinnen und Patienten an eine Spitalsambulanz.
Wissenschaftliche Evaluierung
Das Pilotprojekt wird wissenschaftlich begleitet. Die Evaluierung übernimmt das Institut für Pharmazie der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU).

Mit ApoDoc wird ein innovativer Versorgungsansatz erprobt, der digitale Möglichkeiten mit der hohen Zugänglichkeit öffentlicher Apotheken verbindet.
Priv.-Doz. DDr. Olaf Rose
Studienleiter an der PMU
Die Untersuchung soll zeigen, unter welchen Bedingungen ein solches Modell sinnvoll und nachhaltig in bestehende Versorgungsstrukturen integriert werden kann.
Auf Anfrage von PharmaNow teilte die Österreichische Apothekerkammer mit, dass das Angebot während der gesamten Pilotphase kostenlos bleibt. Auch für mögliche PoC-Testungen fallen keine Kosten an. Die Finanzierung für das Pilotprojekt teilen sich die Apothekerkammer und die UNIQA.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Das jeweilige Apothekenteam entscheidet vor Ort, ob ein ApoDoc-Termin sinnvoll ist.




