Der neue Krebsreport zeigt, dass immer mehr ältere Menschen in Österreich von Krebs betroffen sind. Bereits jede dritte Person über 75 Jahre erhält eine entsprechende Diagnose. Expertinnen und Experten fordern maßgeschneiderte Therapien und eine bessere Versorgung. Insbesondere angesichts von Polypharmazie und begrenztem Zugang im ländlichen Raum.
Herausforderungen für das Gesundheitssystem
Die Zahl älterer Menschen mit einer Krebserkrankung nimmt in Österreich deutlich zu. Wie der aktuelle Krebsreport 2025 zeigt, sind mehr als 60 Prozent der Betroffenen über 65 Jahre alt – Tendenz steigend. Bis zum Jahr 2040 wird ein Anteil von über 75 Prozent prognostiziert. Die Österreichische Krebshilfe und die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO) betonten bei einer Pressekonferenz in Wien die wachsenden Anforderungen an Diagnostik und Therapie.
Jede dritte Person über 75 Jahren betroffen
Birgit Gerstorfer, Präsidentin des Österreichischen Seniorenrates, erklärte, dass aktuell 440.000 Menschen in Österreich mit einer Krebsdiagnose leben. Bei den über 75-Jährigen beträgt die Rate 34 Prozent. Eine frühzeitige Diagnose sei daher auch im hohen Alter entscheidend. Doch insbesondere Mobilitätseinschränkungen sowie digitale Hürden, wie etwa bei der Terminvereinbarung oder Informationssuche – erschweren eine adäquate Versorgung, vor allem im ländlichen Raum.
Medizinische Versorgung: Gut, aber komplex
Krebs ist eine relevante Erkrankung im Alter, betonte Priv.-Doz. Dr. Kathrin Strasser-Weippl, Medizinische Leiterin der OeGHO und Oberärztin an der Klinik Ottakring. Die Prognose für ältere Patientinnen und Patienten sei oft schlechter – dennoch profitieren sie ebenfalls von innovativen Therapien, die in Österreich auch über das 80. Lebensjahr hinaus zum Einsatz kommen.
Damit die Qualität der Versorgung erhalten bleibt, sei es notwendig, die besonderen Bedürfnisse älterer onkologischer Patientinnen und Patienten stärker in die Gesundheitsplanung einzubeziehen – medizinisch wie organisatorisch, so Strasser-Weippl, die auch die wissenschaftliche Leitung des Krebsreports innehat.
Polypharmazie erschwert die Therapie
Univ.-Prof. Dr. Ewald Wöll, Präsident der OeGHO, weist auf die besondere Problematik der Polypharmazie hin. Viele ältere Krebspatientinnen und -patienten nehmen aus gesundheitlichen Gründen von Haus aus schon oftmals mehr als zehn Medikamente täglich ein. Dazu kommen zusätzlich noch Krebsmedikamente. Es ginge also um ein Gesamtpaket für die Gesundheit im Alter. Eine individuelle, maßgeschneiderte Therapieplanung sei deshalb unerlässlich, um Übertherapie, Wechselwirkungen und nicht notwendige Medikamente zu vermeiden.
Ziel sei eine umfassende Bewertung der medizinischen, funktionellen, psychischen und sozialen Situation, um Therapieentscheidungen optimal anzupassen. Auch die Einbeziehung älterer Menschen in klinische Studien müsse verstärkt forciert werden, so Wöll.
Österreich bei gesunder Lebenszeit unter EU-Schnitt
Obwohl die Lebenserwartung in Österreich hoch ist, liegt die Zahl der gesunden Lebensjahre deutlich unter dem EU-Durchschnitt. Bei 60-Jährigen sind es im Schnitt nur 8,1 Jahre, während der europäische Mittelwert bei 9,8 Jahren liegt. Länder wie Schweden erreichen sogar Spitzenwerte von 13,9 Jahren.
Zu den Hauptgründen zählen Rauchen, Bewegungsmangel und Übergewicht – vermeidbare Risikofaktoren, die auch die Krebsvorsorge beeinflussen. Zwar kennen viele ältere Menschen die Angebote zur Früherkennung, nutzen sie jedoch zu selten: So liegt die Teilnahmequote beim Brustkrebs-Screening nur bei 50 bis 60 Prozent, empfohlen wären mindestens 80 Prozent.
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