Eine aktuelle britische Studie zeigt, dass der Verlust eines Haustiers für viele Menschen ebenso schmerzhaft sein kann wie der Tod eines nahestehenden Menschen. Die psychologischen Hintergründe werfen Fragen für die klinische Praxis und den gesellschaftlichen Umgang mit Trauer auf.
Der Tod eines geliebten Haustiers kann tiefe seelische Wunden hinterlassen. Eine im Fachjournal Plos One veröffentlichte Studie zeigt, dass für mehr als jeden fünften Betroffenen ist der Tod eines Haustiers schmerzlicher als der Verlust eines Menschen, etwa eines Familienmitglieds oder eines engen Freundes.
Durchgeführt wurde die Untersuchung von Philip Hyland an der Maynooth University in Irland. Befragt wurden 975 Erwachsene im Vereinigten Königreich, davon hatten rund ein Drittel bereits den Tod eines Haustiers erlebt, fast alle auch einen menschlichen Verlust.
Emotionale Bindung erklärt die Tiefe der Trauer
„Für viele Menschen ist der Verlust eines Haustieres schlimmer als der Verlust eines Menschen“, heißt es in der Studie. Die Ursache liegt laut Forschenden in der emotionalen Bedeutung, die Haustiere im Alltag einnehmen.
In einer US-Erhebung bezeichneten 97 Prozent der rund 5.000 Befragten ihr Haustier als Familienmitglied, etwa die Hälfte setzte es sogar einem Menschen gleich. Haustiere sind emotional verfügbar, urteilen nicht und nehmen eine zentrale Rolle im sozialen Leben ein, besonders bei älteren oder alleinstehenden Personen.
Trauer ohne gesellschaftlichen Raum
Ein kleiner Teil der Betroffenen, nämlich 7,5 Prozent, zeigten Anzeichen einer anhaltenden Trauerstörung, die vergleichbar mit jener ist, die beim Verlust eines engen menschlichen Angehörigen auftreten kann. Dabei treten unter anderem Symptome wie anhaltende Traurigkeit, Rückzug, Wut oder Sehnsucht auf.
„Ich erlebe es manchmal so, dass Trauer in der Gesellschaft zu wenig Platz bekommt“, sagt Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. „Dass es schnell wieder gut sein soll, dass man sich schnell wieder zusammenreißen soll.“
Fachleute fordern Anerkennung der Haustier-Trauer
Aktuell ist die anhaltende Trauerstörung nur bei Todesfällen von Menschen als klinische Diagnose anerkannt. Studienautor Philip Hyland hält es angesichts der Ergebnisse jedoch für nachvollziehbar, diese Einschätzung zu überdenken. Viele Menschen, die um ihr Haustier trauern, fühlen sich isoliert oder beschämt. Das ist ein Umstand, der aus seiner Sicht bei der Definition klinisch relevanter Trauerreaktionen berücksichtigt werden sollte.
Unterstützung bei Trauerfällen
Was hilft Betroffenen? Fachleute empfehlen:
- Gespräche und Zuhören
- Ablenkung oder neue Routinen
- Trauerrituale, etwa ein Grab oder eine Gedenkstätte
- Psychologische Unterstützung bei starker oder lang anhaltender Belastung
Deshalb sei es wichtig, die eigene Trauer ernst zu nehmen und anzuerkennen, so die Expertinnen und Experten. Der Umgang mit dem Tod eines Haustiers kann ähnlich komplex sein wie bei einem menschlichen Verlust.




