Eine aktuelle MCI-Analyse warnt vor den Risiken medizinischer Empfehlungen durch Social-Media Influencerinnen und Influencern. Kommerzielle Interessen, fehlendes Fachwissen und parasoziale Bindungen gefährden besonders junge Menschen. Forschende fordern strengere Regeln und mehr digitale Gesundheitskompetenz.
Gesundheitsberatung im Influencer-Zeitalter
Medizinische Ratschläge durch Influencerinnen und Influencer auf TikTok, Instagram & Co. haben sich inzwischen zu einem dominanten Kanal der Gesundheitsinformation entwickelt. Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene schenken den Social Media-Stars dabei oft mehr Vertrauen als ärztlichen Empfehlungen. Doch dieser Trend birgt massive Risiken – das zeigt eine neue Analyse unter der Leitung des „MCI – Die Unternehmerische Hochschule®“, erschienen im British Medical Journal (BMJ).
Laut Dr. Raffael Heiss, Forscher am Center for Social & Health Innovation des MCI, zählen Influencerinnen und Influencer mittlerweile zu wichtigen Gesundheitsquellen für junge Menschen. Ihre Empfehlungen seien jedoch häufig verzerrt, von Eigeninteressen geleitet oder schlichtweg falsch. Ohne klare regulatorische Rahmenbedingungen drohten Fehlbehandlungen, unnötige Ausgaben und ein zunehmendes Misstrauen gegenüber evidenzbasierter Medizin.
Österreichische Jugend besonders gefährdet
Laut Forschung konsumieren 83% der 15- bis 25-Jährigen in Österreich regelmäßig Gesundheitsinhalte von Personen über die Social Media-Plattformen. Fast ein Drittel kaufte daraufhin Nahrungsergänzungsmittel, 13% sogar Medikamente. Das macht junge Menschen besonders anfällig für fehlerhafte oder interessensgeleitete Empfehlungen.
Die Forschenden identifizieren vier Hauptprobleme:
- fehlende medizinische Qualifikation
- kommerzielle Interessen
- eigene wirtschaftliche Motive
- persönliche Weltanschauungen
Diese Faktoren verzerren Inhalte und werden durch sogenannte parasoziale Beziehungen – also einseitige emotionale Bindungen der Follower – noch verstärkt.
Plattformen und Politik in der Verantwortung
Die Studie betont: Social Media-Persönlichkeiten können auch zur Aufklärung beitragen – doch aktuell überwiegen die Gefahren. Werbung wird häufig nicht als solche erkannt. Viele Nutzende vertrauen Empfehlungen, die auf keinerlei medizinischer Evidenz basieren.
Als Lösungsansatz schlagen die Teammitglieder der Forschung ein Maßnahmenpaket vor, das Plattformbetreiber,Politik und Nutzende einbindet. Auf EU-Ebene bietet der Digital Services Act erste Ansätze. Nationalstaaten sollten ergänzend handeln – etwa durch Werbebeschränkungen oder verpflichtende Kennzeichnungen.
Heiss zeigt auf, dass es zudem gezielte Programme brauche, um die Gesundheits- und Medienkompetenz von jungen Menschen zu stärken.
Bedeutung für die Apothekenpraxis
Für Mitarbeitende in der Apotheke bedeuten die Social Media-Gesundheitstipps eine wachsende Herausforderung in Kundengesprächen. Motiviert durch Influencerinnen und Influencer kommen die Kundinnen und Kunden mit konkreten Produktwünschen in die Apotheke, um bestimmte Kosmetika, Nahrungsergänzungmittel oder Medikamente zu kaufen.
Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, sensibel aufzuklären, ohne pauschal zu verurteilen. Daher ist immer anzuraten zu erklären, warum bestimmte Empfehlungen nicht evidenzbasiert sind, ob ein Produkt das richtige ist – oder ob vor der Anwendung besser eine ärztliche Abklärung einzuholen ist.
Das Ziel soll sein, die Gesundheitskompetenz des Gegenübers zu stärken. Eine fachkundige Beratung hilft, Informationen einzuordnen, Nebenwirkungen zu vermeiden und Vertrauen in seriöse Gesundheitsquellen zu fördern.
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