Start Wissenschaft Antibiotika in der Schwangerschaft und Kindergesundheit

Antibiotika in der Schwangerschaft und Kindergesundheit

Eine umfangreiche Meta-Analyse1 hat einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Antibiotikaeinnahme von Schwangeren und späteren gesundheitlichen Problemen der Kinder festgestellt. Das unterstreicht einmal mehr einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika während der Schwangerschaft.

 „Während die Vorteile von Antibiotika gut bekannt sind, sind die langfristigen Gesundheitsrisiken für Säuglinge, die mit einer pränatalen (vor der Geburt, Anm.) Antibiotikaexposition verbunden sind, unklar“, so das schweizerisch-australische Forschungsteam um PD DDr. Petra Zimmermann von der Universität Freiburg in der Schweiz. 

158 Studien mit 22 Millionen Kindern

Mittels einer systematischen Literaturrecherche identifizierten die Wissenschafter Originalstudien, die den Zusammenhang zwischen der Antibiotikaeinnahme von Schwangeren und langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen bei Kindern untersuchten. Im Rahmen der Meta-Analyse wurden insgesamt 158 Studien, die rund 22 Mio. Kinder und 23 Krankheitsbilder umfassten, analysiert.

Die Forschenden schlossen Studien aus, wenn die Antibiotika nur während der Entbindung verabreicht wurden oder die gesundheitliche Probleme der Kinder bereits vor der Geburt bekannt waren. 

Signifikante Zusammenhänge für mehrere Erkrankungen

Für die folgenden Krankheitsbilder wurde in zwei oder mehr Studien festgestellt, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Antibiotikaeinnahme der Mutter während der Schwangerschaft und einer späteren Erkrankung der Kinder gab:

  • atopische Dermatitis (Risikoerhöhung um 27%)
  • Nahrungsmittelallergie (+ 25%)
  • allergische Rhinokonjunktivitis (+ 16%)
  • Keuchen (wheezing) (+ 39%)
  • Asthma (+ 36%)
  • Adipositas (+ 36%)
  • Zerebralparese (bestimmte Art von Fehlbildungen des Gehirns; + 25%)
  • Epilepsie oder Fieberkrämpfe (+ 16%)
  • Krebserkrankungen (+ 13%)

Mehrere der in die Meta-Analyse eingeschlossenen Studien berichteten über einen stärkeren Zusammenhang nach wiederholten Antibiotikagaben. Die höchsten Risikokorrelationen wurden laut den Autoren bei der Exposition gegenüber Penicillinen und Makroliden im Vergleich zu Tetracyclinen, Sulfonamiden, Fluorchinolonen und Nitrofurantoin festgestellt.

Im Gegensatz dazu fanden die Forschenden keine signifikanten Zusammenhänge zwischen der vorgeburtlichen Antibiotikaexposition und dem Risiko für u.a. Zöliakie, juveniler idiopathischer Arthritis, Typ-1-Diabetes, Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS und neurologischen Entwicklungsstörungen. 

Antibiotika in der Schwangerschaft verantwortungsvoll einsetzen

Diese Metaanalyse zeigte, dass Kinder, die noch im Mutterleib Antibiotika ausgesetzt waren, langfristig ein erhöhtes Risiko für unterschiedliche Erkrankungen haben. 

Zwar gebe es denkbare Mechanismen, durch die Antibiotika zu gesundheitlichen Nachteilen führen könne. Die Autoren betonen jedoch, dass sich durch die vorliegenden Ergebnisse kein ursächlicher Zusammengang ableiten lässt.

„Obwohl keine Kausalität (Ursächlichkeit, Anm.) festgestellt werden kann, unterstützen diese Ergebnisse die Bestrebungen für einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika während der Schwangerschaft, um potenzielle langfristige Gesundheitsrisiken zu verhindern“, so die Wissenschafter.

Kein Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen

Eine erst Ende August veröffentlichte Studie2 aus Südkorea untersuchte den Zusammenhang zwischen der Antibiotikaeinnahme in der Schwangerschaft mit dem späteren Auftreten von Autoimmunerkrankungen der Kinder. In Südkorea wird fast jede zweite Schwangere zumindest einmal mit Antibiotika behandelt, in der Regel wegen Harnwegsinfektionen. Die Wissenschafter verglichen 1,52 Mio. Kinder, die in den Jahren 2008 bis 2021 während der Schwangerschaft ihrer Mutter Antibiotika ausgesetzt waren, mit 1,19 Mio. Kindern, bei denen das nicht der Fall war. 

Die Auswertung ergab, dass der Antibiotikaeinsatz während der Schwangerschaft bei den Kindern nicht mit einem signifikanten Anstieg von Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1, juveniler idiopathischer Arthritis, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, systemischem Lupus erythematodes oder einer Hashimoto-Thyreoiditis zusammenhing.

Originalpublikationen:

  1. Duong QA, Curtis N, Zimmermann P. The association between prenatal antibiotic exposure and adverse long-term health outcomes in children: A systematic review and meta-analysis. Journal of Infection 90 (2025) 106377. ↩︎
  2. Choi E-Y et al. Exposure to antibiotics during pregnancy or early infancy and the risk of autoimmune disease in children: A nationwide cohort study in Korea. PLOS Medicine 2025;22(8): e1004677. ↩︎

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