Hans Jakesz, Gründer des PKAjournals, und sein Sohn und Nachfolger als Chefredakteur und Herausgeber, Christoph Jakesz, im Interview über die Entwicklung des Magazins in den vergangenen 30 Jahren und wie es zur führenden Medien-Plattform für einen ganzen Berufsstand wurde.
Was war Mitte der 1990er-Jahre Ihre Motivation, das PKAjournal zu gründen?
Hans Jakesz: Im Juli 1994 wurde von der Bundesregierung die Einführung des Lehrberufs für Pharmazeutisch-kaufmännische Assistentinnen und Assistenten (PKA) beschlossen. Ich war als langjähriger Prüfer für Apothekenhelferinnen und -helfer schon in die inhaltliche Ausgestaltung dieses Lehrberufs involviert. Uns ging es um eine bessere Qualifizierung und um die Schaffung eines respektablen Berufsbilds. Apothekenhelfer war ein Anlernberuf und hatte schon vom Namen eher keinen sehr wertschätzenden Klang. Der legendäre Medienberater Franz Alexander Späth war damals für die Kammer tätig und meinte zu mir: „Wäre es nicht eine Idee, ein Medium für die neuen PKAs zu schaffen?“ Er hatte das Vorbild von PharmaTime vor Augen. Wir produzierten rasch eine Nullnummer, und als das Gesetz über die PKA-Ausbildung Mitte 1994 in Kraft trat und ab 1995 gelehrt wurde, erschien gleich die erste Ausgabe des PKAjournals – anfangs noch als Beilage von PharmaTime. Das sollte sich aber schnell ändern.
Christoph Jakesz: Mein Vater hat das Potenzial dieser wichtigen Zielgruppe sofort erkannt und rasch reagiert. Dafür bin ich ihm noch heute sehr dankbar. Die PKAs haben ein solches identitätsförderndes Medium wirklich gebraucht.
Gab es nie die Sorge, zwischen die Fronten der Pharmazeuten und der PKAs mit ihren unterschiedlichen Interessen zu geraten? Gab es anfangs Widerstände gegen das neue Produkt?
Hans Jakesz: Die Interessensvertretung der angestellten Apotheker war anfangs skeptisch. Sie befürchtete wohl eine kostengünstigere Konkurrenz an der Tara. Die PKAs sollten ja die Pharmazeuten nicht nur beispielsweise bei magistralen Zubereitungen unterstützen, sondern auch alle nicht registrierten Arzneimittel, Kosmetika und Nahrungsergänzungsmittel verkaufen dürfen. Die selbstständigen Apotheker waren über die bessere Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre mediale Betreuung durch uns begeistert. Erst zehn Jahre später hat der Österreichische Apothekerverlag selbst ein Medium für PKAs herausgebracht.
Christoph Jakesz: Zwei Medien wie PharmaTime und das PKAjournal parallel herauszubringen, ist schon eine Herausforderung. Wir berichten, was die Berufsgruppe der PKAs beschäftigt, bewegt, verärgert – auch über ihre Kritik an Rahmenbedingungen. Das wird nicht immer gerne gesehen. Wir bilden einfach die Meinungsvielfalt von PKAs ab und bevorzugen keine Berufsgruppe. Uns ist dabei immer ein objektiver journalistischer Zugang wichtig. Am Ende geht es uns darum, etwas für die Apotheke und die Menschen darin zu bewegen.
Nullnummer

Bevor die erste Ausgabe des PKAjournals 1995 erschien, brachte der PharmaTime Verlag eine sogenannte Nullnummer heraus, die das neue Medium bereits vorab vorstellen sollte. Hier (links) sehen Sie das damalige Cover der Nullnummer. Nach heutigem Standard liegt es damit wohl nicht mehr im Trend – damals jedoch war das Layout am Puls der Zeit.
Wie waren 1995 die Reaktionen der PKAs?
Hans Jakesz: Ich glaube, das Magazin hat sie mitten ins Herz getroffen. Sie haben es als Zeichen der Anerkennung wahrgenommen. Wir hatten von Anfang an viele Abonnentinnen und Abonnenten und kaum Kündigungen. Viele Apotheken haben als Service für ihre Mitarbeiterinnen gleich mehrere Abos bestellt und tun das heute noch.
Christoph Jakesz: Wir wollten immer so relevant sein, dass die Leserinnen und Leser das Heft gerne beziehen und dass es ihnen auch etwas wert ist. Deshalb waren und sind die Abos bewusst nicht kostenlos, auch wenn der Kostenbeitrag eher symbolisch ist. Wir verschicken aktuell knapp 7.000 Hefte pro Monat und haben knapp 5.000 PKAs und PKA-Lehrlinge als Kundinnen und Kunden. Wenn man von rund 8.000 aktiven PKAs ausgeht, ist das ein hoher Anteil. Deshalb, aber auch aufgrund von Themenvielfalt, einer hohen Erscheinungsweise und nicht zuletzt aufgrund von Zustimmungswerten unter PKAs sehen wir uns als ihr Leitmedium. Wenn es darum geht, für die PKAs etwas zu bewegen, waren und sind wir immer die Ersten.
War die Gründung ein finanzielles Risiko?
Hans Jakesz: Eigentlich nicht. Vom ersten Heft an hatten wir – dank der Abos und genügend Inseraten – kaum einmal ein Defizit. Das PKAjournal ist für den PharmaTime Verlag ein großer Erfolg geworden.
Wie bewerten Sie die Entwicklung des PKAjournals?
Hans Jakesz: Es war erst mein Sohn Christoph, der aus dem Magazin ein hochkarätiges Zielgruppen-Medium geformt hat. Mit seinen zusätzlichen Services geht es heute weit über eine rein journalistische Betreuung hinaus. Das hätte ich mir bei der Gründung des PKAjournals nie vorstellen können. Christoph ist der „Mr. PKAjournal“, und ich bin sehr stolz auf ihn.
Wie ist es dazu gekommen, dass Sie das PKAjournal übernommen haben?
Christoph Jakesz: Als ich 2002 in den Familienverlag eingetreten bin, hatte ich keine einschlägige Erfahrung vorzuweisen – weder ein Pharmazie-Studium noch eine PKA-Ausbildung oder Verlags-Know-how. Aber ich stamme aus einer Apotheker-Familie. Vater, Mutter, Bruder, Stiefbruder – alle haben oder hatten Apotheken. Ich habe die Apotheke sozusagen im Blut. Für mich sind vor allem die Menschen in der Apotheke so wichtig. Sie machen den Unterschied für alle, die gesund werden oder gesund bleiben wollen. In meinem Betriebswirtschaftsstudium war Change-Management ein Schwerpunkt, und ich suche deshalb immer nach neuen Perspektiven. Dieser etwas andere Blickwinkel hat mir immer geholfen, wenn ich nach einem neuen Ansatz gesucht habe, für Apotheken etwas zu bewegen.
Wie waren die Anfänge im Verlag?
Christoph Jakesz: Ich habe mich anfangs auf das PKAjournal konzentriert und war „Bub für alles“. Es gibt keine Tätigkeit, die ich nicht selbst ausgeführt hätte. So habe ich das Verlagsgeschäft auf allen Ebenen gelernt. Und ich hatte das Glück, schon als Lernender Ideen einbringen und mitgestalten zu dürfen. Ab 2009 durfte ich dann die Aufgabe des Chefredakteurs übernehmen, 2024 die Leitung des gesamten Verlags.
Was haben Sie am PKAjournal verändert?
Christoph Jakesz: Mein Ziel war es, das Profil des Magazins zu schärfen und das gesamte Spektrum der PKA-relevanten Themen abzudecken. Außerdem haben wir das Journal ständig um neue Angebote erweitert: Im Rahmen unserer PKAjournal-Schuloffensive stellen wir Lehrlingen und Lehrkräften kostenlose Abos zur Verfügung und haben eine eigene Berufsschulrubrik im Heft, die in der Lehre unterstützt und auf die Prüfung vorbereitet. Wir haben den PKA-Berufsausweis ins Leben gerufen. Er verstärkt die Bindung an den Beruf, belegt gegenüber Arbeitgebern und Veranstaltern von Fortbildungen den erfolgreichen Lehrabschluss und bringt den Inhabern Vergünstigungen bei vielen Partnerunternehmen in ganz Österreich. Seit 2016 erhebt unsere PKA-Zufriedenheitsumfrage regelmäßig die Stimmung in der Berufsgruppe. Seit 2018 gibt es PKAclub, Österreichs Online-Community für PKAs. Er sorgt für unkomplizierten Austausch und für Vernetzung auf Facebook und Instagram in digitalen Zeiten und ist die ideale Ergänzung zum Journal.
Neben fachlichen Informationen gibt es dort vor allem auch viel Unterhaltung, Aktionen, Produkttests und Gewinnspiele. Auf der Fachmesse Austropharm laden wir PKAs zudem seit über zehn Jahren in unsere PKAlounge ein, eine VIP-Lounge exklusiv für PKAs. 2021 haben wir den 27. Juni als Tag der PKAs ausgerufen. Damit wollen wir dem Beruf Sichtbarkeit geben und PKAs darin bestärken, wie wichtig sie für die Apotheke und die Gesundheit der Menschen sind. Unter #pkaundstolzdrauf zeigen an diesem Tag PKAs auf Social Media, was sie an dem Beruf begeistert. Auch diese Initiative ist mittlerweile stark gewachsen. Mit all diesen Services wollen wir unsere Wertschätzung für die Leistungen der PKAs ausdrücken.
Hans Jakesz: Wenn ich mir die ersten Ausgaben des PKAjournals durchblättere, so ist das mit dem heutigen Angebot des Magazins und der ganzen Plattform überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Das war bei der Gründung weder geplant noch angedacht.
Welchen Mehrwert bietet das PKAjournal für den Arbeitsalltag?
Christoph Jakesz: Wir bringen umfassende, praxisnahe Informationen zu allen Aspekten der Gesundheit auf dem letzten Stand der Wissenschaft. Wir bringen Tipps zum Beratungsgespräch an der Tara. Wir stellen Beispiele für die optimale Produktplatzierung in der Apotheke vor. Seit dem Vorjahr ist meine hochgeschätzte Kollegin Melanie Tschiedel stellvertretende Chefredakteurin. Als ausgebildete PKA hat sie einen ganz besonders geschärften Blick darauf, welche Themen für PKAs spannend sind. Wir waren thematisch wahrscheinlich noch nie so nah dran an den Bedürfnissen der PKAs.
Welche Zukunftspläne haben Sie für den Verlag?
Christoph Jakesz: Seit Mitte 2025 läuft unsere News-Plattform PharmaNow für den gesamten Apotheken- und Gesundheitsbereich. Damit bieten wir erstmals aktuelle Nachrichten in digitaler Form an – aber mit hohem Qualitätsanspruch und einem Fokus auf die Apotheken. PharmaNow stellt die ideale Ergänzung zu unseren Magazinen dar, in denen wir weiterhin in die Tiefe gehen. Ab 2026 sind zusätzlich ein Podcast, ein Video-Format und ein Newsetter geplant.
Wie bewerten Sie die Rolle der PKAs, die Sie so lange journalistisch begleitet haben und weiter begleiten, im Apotheken-Alltag?
Hans Jakesz: Ohne gut ausgebildete PKAs ist eine Apotheke heutzutage nicht mehr zu führen – weder wirtschaftlich noch strategisch. Ihr Berufsbild ist in den vergangenen dreißig Jahren weit über die unterstützende Rolle hinausgewachsen. In vielen Bereichen der Gesundheitsinformation leisten sie für die Bevölkerung hervorragende Dienste, etwa wenn es um Beratungen zu einer vernünftigen Lebensweise geht oder zu Dermo-Kosmetik. Die Pharmazeuten können sich dank der PKAs auf hochspezialisierte Beratungen konzentrieren.
Christoph Jakesz: Dem kann ich mich nur anschließen: Keine Apotheke ohne PKAs.
Heute wie damals

Damals wie heute konnte das PKAjournal ausschließlich mittels kostenpflichtigem
Jahresabonnement bezogen werden. Dafür benötigte man eine Abo-Karte. Heute kann das PKAjournal online auf www.PKAjournal.at bestellt werden.




