Menschen, die an Herzerkrankungen leiden, müssen nicht auf Reisen verzichten. Sie sollten aber einige Punkte beachten. Apothekerinnen und Apotheker kennen oft die Reisepläne ihrer Kundschaft und können auch diesbezüglich beraten.
Apothekerinnen und Apotheker kennen viele ihrer Kundinnen und Kunden oft schon jahrelang und sind nicht selten auch über deren Urlaubspläne informiert – spätestens dann, wenn es um die Reiseapotheke geht. Das ist ein guter Anknüpfungspunkt, um speziell Patientinnen und Patienten, die an Herzproblemen wie koronare Herzkrankheit (KHK), Herzrhythmusstörungen, Herzklappenerkrankungen und Herzinsuffizienz leiden, wertvolle Tipps zu geben.
„Grundsätzlich sollten Herzpatienten ihre Urlaubsreise gut planen und rechtzeitig vor Urlaubsantritt mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, ob und wann eine Reise möglich ist oder nicht“, rät Prof. Dr. Axel Schmermund vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Ein erster Punkt ist, Urlaubsziele zu wählen, die über eine gute medizinische Infrastruktur verfügen. Informationen über Lage und Qualität von Krankenhäusern, Ärzten und Apotheken sollten bereits während der Urlaubsplanung eingeholt werden.
Extreme Hitze und große Höhen meiden
Je nach Urlaubsziel, sollten Herzpatienten den Wechsel von Klima- und Zeitzone nicht unterschätzten. So können sehr hohe Temperaturen bei Menschen mit Herzerkrankungen einen Kreislaufkollaps oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Tropische und arktische Klimaverhältnisse sind für Betroffene nicht empfehlenswert, weil sie das Herz-Kreislauf-System zu sehr anstrengen. Hier rät der Experte, lieber eine Klimazone zu wählen, an die der Körper bereits gewöhnt ist.
Ein Urlaub in den Bergen ist dagegen für die meisten problemlos. „Höhen bis 2.500 Meter wird man in aller Regel gut vertragen, wenn eine stabile Situation des Herzpatienten besteht“, sagt Kardiologe Schmermund.
Größere Höhen ab etwa 2.500 Meter können allerdings den Herzmuskel zu sehr belasten, was bis zum Herzinfarkt führen kann. Durch den geringeren Sauerstoffgehalt der Luft über 2.500 Meter nimmt auch der Sauerstoffgehalt in den Arterien ab. Das Herz versucht das dann durch eine steigende Schlagfrequenz zu kompensieren, was eine zusätzliche Belastung für das ohnehin angeschlagene Organ bedeutet. Durch die intensivere Atmung wird mehr CO2 abgeatmet, das kann wiederum den Säure-Basen-Haushalt im Blut aus dem Gleichgewicht bringen.
Eingriffe vor Reiseantritt gut planen
Wichtig ist, dass die Erkrankung medikamentös gut eingestellt ist und die körperliche Leistungsfähigkeit nicht zu stark eingeschränkt ist. Bestimmte Eingriffe bzw. Erkrankungen sollten eine Zeit zurückliegen:
- Eine Aufdehnung der Herzkranzgefäße, das Einsetzen eines implantierbaren Defibrillators oder eines Herzschrittmachers sollten zumindest ein bis zwei Wochen vor Reiseantritt erfolgen. Kurzfristigere Reisen sollten ärztlich abgesprochen werden.
- Ein Herzinfarkt oder eine Herzoperation sollte zumindest zwei bis vier Wochen zurückliegen.
Thromboseschutz bei Flugreisen
Flugreisen sind möglich, wenn die Patienten gut belastbar sind, die Krankheitssituation stabil ist und sich Krankheitssymptome kurz vor der Abreise nicht akut verschlechtern bzw. verändern. Bei Langstreckenflügen ab acht bis zehn Stunden Dauer empfiehlt der Experte Personen mit hohem Thromboserisiko Thrombose-Strümpfe und Anti-Thrombose-Spritzen. Während des Fluges hilft Fußgymnastik (Venenpumpe: Ferse und Zehen abwechselnd heben, Fußkreisel, Unterschenkel beugen und strecken), regelmäßiges Aufstehen und ausreichend trinken.
Während des Fluges:
- Krankenunterlagen inkl. Medikationsplan griffbereit halten.
- ausreichend Medikamente für die direkte Reise- bzw. Flugzeit (plus Reserve für etwaige Verspätungen) ins Handgepäck packen.
- Personen mit Herzschrittmacher oder implantiertem Defibrillator sollten den Geräteausweis bei Sicherheitskontrollen am Flughafen vorzeigen.
- Eine ärztliche Bescheinigung über die Medikation kann bei Zoll- und Sicherheitskontrollen hilfreich sein.
In diesen Fällen lieber zu Hause bleiben
Bei folgenden Herzerkrankungen bzw. Symptomen sollten Patienten besser auf eine Reise verzichten:
- Angina pectoris bei geringen Belastungen wie Treppensteigen
- mit zunehmender Stärke auftretende Angina pectoris
- Luftnot bei geringer Belastung wie Gehen zu ebener Erde oder Treppensteigen
- zunehmende Luftnot oder zunehmende Ödemen
- wiederholter Schwindel
- plötzliche Bewusstlosigkeiten (Synkopen)
In diesen Fällen sollten die Personen unbedingt zur Ärztin bzw. zum Arzt. Herzpatienten sollten sich generell rund drei Wochen vor der Reise nochmal ärztlich durchchecken lassen. „So kann überprüft werden, ob der Erkrankungszustand stabil ist und die Medikation kann eventuell noch geändert werden“, schreibt die Deutsche Herzstiftung.




