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PKA-Zufriedenheitsumfrage: Wenn die Liebe zum Beruf nicht mehr reicht…

Mehr als jede zweite PKA unserer Umfrage würde sich aus heutiger Sicht nicht noch einmal für ihren Beruf entscheiden. Die Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage 2025 zeigen, warum strukturelle Probleme zunehmend schwerer wiegen als die Liebe zum Beruf.

„Wie geht es dir wirklich mit deinem Beruf?“ – dieser Frage geht das PKAjournal jedes Jahr mit der großen PKA-Zufriedenheitsumfrage nach. Seit zehn Jahren bittet der Verlag PKAs, Apothekenhelferinnen und Apothekenhelfer sowie PKA-Lehrlinge um ihre Meinung.

Die Umfrage

Im Zeitraum von 22. Oktober 2025 bis 19. Jänner 2026 nahmen 326 Personen an der Umfrage teil – deutlich weniger als noch im Vorjahr. Die nicht repräsentative Erhebung zeigt im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren nur wenige signifikante Veränderungen in der Zufriedenheit mit dem Beruf, bei den Wohlfühlfaktoren im Team sowie im Verhältnis zur Apothekenleitung. Die vollständigen Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage 2025 sind online abrufbar.

Alles wird gelesen

Doch die Umfrage ist mehr als eine Momentaufnahme in Prozentwerten. Sie bietet Raum für Freitextantworten, in denen PKAs ihre Erfahrungen und Gedanken teilen können – und jede einzelne wird von der Redaktion sorgfältig gelesen. Dabei ist hier nicht nur Platz zum Sudern, sondern auch für Wünsche. Genau diese Freitexte erhalten in dieser Analyse besondere Aufmerksamkeit.

Sie widmet sich den Ursachen dafür, warum viele PKAs ernsthaft über einen Berufswechsel nachdenken und weshalb sich immer mehr von ihnen aus heutiger Sicht nicht noch einmal für den PKA-Beruf entscheiden würden.

60% denken über Berufswechsel nach

Der Gedanke an einen Wechsel beschäftigt viele PKAs. Während 15 Prozent der Teilnehmenden im Jahr 2025 über einen Apothekenwechsel nachdachten – ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr –, ist der Wunsch nach einem vollständigen Berufswechsel deutlich ausgeprägter: 60 Prozent der Befragten gaben an, in den vergangenen zwölf Monaten ernsthaft darüber nachgedacht zu haben. Dieser Wert ist seit 2024 unverändert hoch und lag 2023 noch bei 52 Prozent.

Datenvisualisierung der Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage auf die Frage "Hast du in den letzten 12 Monaten ernsthaft darüber nachgedacht, die Apotheke zu wechseln oder dem PKA-Beruf komplett den Rücken zu kehren?"
Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage 2022-2025 auf die Frage „Hast du in den letzten 12 Monaten ernsthaft darüber nachgedacht, die Apotheke zu wechseln oder dem PKA-Beruf komplett den Rücken zu kehren?“

Ein Blick in die zahlreichen Freitextantworten zeigt, dass hinter diesen Überlegungen vor allem strukturelle Gründe stehen. Mit Abstand am häufigsten genannt wird das Gehalt. In 55 Freitexten äußern PKAs Unzufriedenheit mit ihrer finanziellen Situation. Viele ziehen Vergleiche zu anderen Branchen – etwa zum Handel, zur Modebranche oder zum Optikerberuf – und kommen zu dem Schluss, dass sie dort finanziell bessergestellt wären. Besonders häufig wird dabei das empfundene Missverhältnis zwischen Verantwortung und Entlohnung angesprochen.

2025 hat die Redaktion die Gehaltstabellen der Kollektivverträge für PKAs und den Handel verglichen. Bis zum zwölften Berufsjahr liegt das Einkommen im Handel höher, erst danach schnitten damals PKAs finanziell besser ab – vor allem aufgrund der größeren Anzahl an Gehaltsstufen.

An zweiter Stelle der genannten Gründe stehen die Arbeitszeiten. Insgesamt 22 Freitextantworten thematisieren fehlende Flexibilität, lange Arbeitstage und die Belastung durch geteilte Dienste. Ein weiterer Grund: die höhere wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden, im Vergleich zum Handel mit 38,5 Stunden. Einige PKAs gaben an, dass besonders zweistündige Mittagspausen belastend seien, da sie zu wenig zusammenhängender Freizeit und einer schlechten Work-Life-Balance führen.

Apothekenwechsel

Auch der Personalmangel spielt eine Rolle – vor allem im Zusammenhang mit einem möglichen Apothekenwechsel. „In der Hoffnung, dass es in einer anderen Apotheke nicht so stressig ist – aufgrund des Personalmangels“, begründet eine PKA ihre Wechselüberlegungen. Diese Hoffnung teilen viele der Befragten.

PKA-Beruf: die richtige Entscheidung?

Die Entscheidung, welchen Beruf man erlernen möchte, prägt das ganze Leben. Diese Entscheidung zu hinterfragen, geht über momentane Belastungen hinaus und stellt die grundsätzliche Entscheidung für den PKA-Beruf in den Mittelpunkt. Die Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage 2025 fallen hier besonders deutlich aus.

Datenvisualisierung der Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage auf die Frage "Würdest du dich aus heutiger Sicht noch einmal für den PKA-Beruf entscheiden?"
Ergebnisse der PKA-Zufriedenheitsumfrage 2022-2025 auf die Frage „Würdest du dich aus heutiger Sicht noch einmal für den PKA-Beruf entscheiden?“

Nur 43 Prozent der Befragten gaben an, sich aus heutiger Sicht noch einmal für den PKA-Beruf zu entscheiden. 57 Prozent beantworteten diese Frage mit Nein – ein Höchstwert seit Beginn der Umfrage. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Nein-Stimmen noch bei 53 Prozent. Damit zeigt sich ein Trend, der sich nicht allein mit kurzfristigen Unzufriedenheiten erklären lässt. Während sich viele Werte der Umfrage in den vergangenen Jahren nur geringfügig verändert haben, nimmt der grundsätzliche Zweifel an der Berufswahl weiter zu.

„Ich liebe meinen Beruf, aber…“

Die Freitextantworten geben Einblick in die Gründe dafür. Dabei begannen viele Texte der Nein-Stimmen mit den Worten „Ich liebe meinen Beruf, aber …“. Auffällig ist, dass sich die Argumente stark mit jenen decken, die auch im Zusammenhang mit dem Wunsch nach einem Berufswechsel genannt werden. An erster Stelle steht mit 47 Nennungen erneut das Gehalt. Dem folgt Platz zwei, die Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen. Dabei fällt auf, dass hier besonders häufig das Erreichen der sechsten Urlaubswoche im Fokus der Freitexteingaben steht. Anders als bei angestellten Pharmazeutinnen und Pharmazeuten ist das für PKAs nur schwer möglich, da lange Betriebszugehörigkeiten – und nicht die Gesamtberufsjahre – Voraussetzung dafür sind. Viele PKAs sehen im PKA-Beruf keine Perspektiven für die Zukunft: keine Entwicklungsmöglichkeiten, keine Aufstiegschancen.

Seit 2024 führen die Gewerkschaft GPA und der Österreichische Apothekerverband Reformgespräche über das Rahmenrecht des PKA-Kollektivvertrags. Im Interview Anfang 2025 mit Mag.iur. Mario Wolfram, Verbandsdirektor des Österreichischen Apothekerverbands, wurde in Aussicht gestellt, dass der Kollektivvertragsprozess 2026 fertig sein soll. Seither ist es jedoch still geworden: Im gesamten vergangenen Jahr gab es keine Informationen zum Fortschritt oder zur Reformierung.

Diese strukturellen Probleme, bei denen sich in naher Zukunft nichts zu ändern scheint, treffen auch auf idealistische. Einige PKAs gaben an, dass ihnen Anerkennung und Wertschätzung für den Job, den sie täglich in Österreichs Apotheken machen, fehle. Idealismus ist aber nicht nur in den Kommentaren der „Nein-Sager“ zu erkennen.

Die große Liebe zum Beruf

Betrachtet man die Kommentare, die PKAs bei der Umfrage hinterlassen haben, zeichnet sich ein ernüchterndes Bild für den PKA-Beruf und dessen Zukunft ab. Aber es gibt auch positive, hoffnungsvolle Kommentare, die zeigen, wie verbunden sich viele PKAs ihrem Beruf fühlen. Jene 43 Prozent der PKAs, die sich aus heutiger Sicht erneut für den PKA-Beruf entscheiden würden, machen ihren Job, weil sie ihn lieben. „Ich habe nächstes Jahr mein 30. Dienstjubiläum in derselben Apotheke. Ich habe meinen Platz gefunden!“, schreibt eine PKA – „Es ist mein Traumberuf“, eine andere. Sie schätze vor allem die Vielseitigkeit, das viele Wissen, das mit ihm einhergeht und die Arbeit mit Menschen – trotz der strukturellen Probleme.

Die PKA-Zufriedenheitsumfrage 2025 zeigt, wie es den befragten PKAs wirklich mit ihrem Beruf geht: Seit drei Jahren nahezu unverändert. Gleichzeitig setzt sich ein Trend fort. PKAs lieben ihren Beruf – doch für mehr als die Hälfte reicht diese Liebe womöglich nicht mehr.

Statistische Daten
Datenquelle: Onlineumfrage
Durchführung: 22. Oktober 2025 – 19. Jänner 2026
Teilnehmende: 326 Personen (96% PKAs, 4% PKA-Lehrlinge)
Altersstruktur:
unter 20 Jahre 8 Prozent
20-30 Jahre 33 Prozent
31-40 Jahre 28 Prozent
über 40 Jahre 31 Prozent
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