Forschende des Universitätsklinikums Regensburg und der Universität Erlangen zeigen in einer neuen Studie: Manche Metastasen verhalten sich aktiver als bisher angenommen. Sie streuen erneut, teils noch bevor sie bildgebend sichtbar sind. Das könnte langfristig Therapien verändern.
Metastasen galten bislang als lokal begrenzte Tumorabsiedlungen. Eine gemeinsame Studie der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des Universitätsklinikums Regensburg (UKR) und der Universität Erlangen widerlegt diese Annahme. Die Forschung belegt, dass manche Metastasen bereits innerhalb eines Organs neue Metastasen bilden können.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Molecular Cancer veröffentlicht und basieren auf mehr als zehn Jahren Forschung. Geleitet wurde das Projekt von Dr. Raquel Blazquez, wissenschaftliche Leiterin des Labors für translationale Metastasierung am UKR, und Prof. Dr. Tobias Pukrop, Direktor des Comprehensive Cancer Center Ostbayern (CCCO).
Unterschiedliche Strategien der Metastasierung
Im Fokus der Studie standen Hirnmetastasen. Die Forschenden beobachteten dabei zwei Verhaltensmuster. Einige Metastasen wachsen, wie bisher angenommen, lokal begrenzt. Andere jedoch geben bereits in einem sehr frühen Stadium einzelne Krebszellen ab – noch bevor die ursprüngliche Metastase mit bildgebenden Verfahren erkennbar ist. Diese Zellen können sich an anderen Stellen im Gehirn ansiedeln und dort sogar schneller wachsen.
Die Ergebnisse bilden die Grundlage für neue Denkansätze und ermöglichen langfristig innovative Therapiestrategien, die die Forschung bislang nicht berücksichtigt hat.
„So klare Resultate erhält man selten, besonders dann nicht, wenn man wissenschaftliches Neuland betritt“, ergänzt Dr. Blazquez, die die Hypothese zu unterschiedlichen Wachstumsmustern maßgeblich vorangetrieben hat.
Bedeutung für künftige Therapieansätze
Die Forschenden sehen in den Erkenntnissen eine potenzielle Grundlage für neue diagnostische und therapeutische Ansätze. Derzeit bestehen allerdings noch keine unmittelbaren klinischen Anwendungsmöglichkeiten. Weitere Studien sind erforderlich, um die Übertragbarkeit auf die Behandlungspraxis zu prüfen.
In einem nächsten Schritt sollen die Ergebnisse in klinischen Studien validiert werden. Langfristiges Ziel ist es, die neu identifizierten Wachstumsmuster gezielt für die Entwicklung individualisierter Therapien zu nutzen.




