Die Bundesregierung will Impfungen ab dem kommenden Jahr in Apotheken ermöglichen. Noch heuer soll ein entsprechender Beschluss fallen. Ärztekammer und Apothekerkammer reagieren gegensätzlich.
Nach jahrelanger Debatte und zahlreicher Vertagungen im Gesundheitsausschuss plant die Bundesregierung nun doch, Impfungen künftig auch in Apotheken durchführen zu lassen. Das kündigte Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) bei einem gemeinsamen Medientermin mit Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Beate Meinl-Reisinger (NEOS) an.
Gesundheitsministerin Korinna Schumann (SPÖ) wurde beauftragt, ein entsprechendes Modell auszuarbeiten. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es zudem, man werde „in den nächsten Wochen mit Gesprächen mit den Systempartnern beginnen“. Das erklärte Ziel sei es, die Impfquote zu erhöhen. Neben Information und Bewusstseinsbildung sei auch ein niederschwelliger Zugang zur Impfung essenziell.
Noch heuer soll ein entsprechendes Impfangebot beschlossen werden, das einen niederschwelligen Zugang zu Impfungen in Apotheken ermöglicht.
Politische Unterstützung für Reform
Beate Meinl-Reisinger sprach von einem „Meilenstein“ für den Gesundheitsbereich. Angesichts der Wissenschaftsfeindlichkeit sei es „wichtig, ein niederschwelliges Angebot zu schaffen, das auch angenommen wird“.
Gesundheitssprecherin Jing Hu (NEOS Wien) erklärte: „Apotheken sind die niederschwelligsten Gesundheitseinrichtungen, die wir haben. Sie sind in jedem Grätzl, haben lange Öffnungszeiten und brauchen keine Terminvereinbarung. Dass wir dieses Potenzial endlich nutzen, ist ein echter Fortschritt.“
Die Österreichische Apothekerkammer sieht in der Ankündigung einen „wichtigen Schritt“. Präsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr betonte: „Apotheken verfügen über eine flächendeckende Infrastruktur in ganz Österreich, lange Öffnungszeiten und genießen hohes Vertrauen in der Bevölkerung.“
Rund 3.000 Apothekerinnen und Apotheker hätten bereits die erforderliche Impfausbildung auf höchstem internationalem Niveau erfolgreich absolviert.

Die Apothekerschaft steht für die Umsetzung dieses wichtigen gesundheitspolitischen Vorhabens bereit.
Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr
Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer
Unterstützung kommt auch vom Österreichischen Seniorenbund. Präsidentin Ingrid Korosec erklärte: „Das Impfen in der Apotheke spart Zeit, Mühe und entlastet Ärztinnen und Ärzte.“ Gerade für ältere Menschen seien nahegelegene und einfach zugängliche Impfangebote essenziell.
Die Grünen verwiesen auf einen seit einem Jahr vorliegenden beschlussfertigen Gesetzesentwurf. Gesundheitssprecher Ralph Schallmeiner sprach von einem „wichtigen und längst überfälligen Schritt“.
Deutliche Kritik der Ärztekammer
Klare Ablehnung kommt von der Österreichischen Ärztekammer. Präsident Johannes Steinhart erklärte: „Impfen ist aus gutem Grund eine ärztliche Leistung.“ Impfungen seien mehr als nur ein Stich, sondern ein komplexer Prozess. „Zwölf Jahre harte Ausbildung können nicht mit einem Wochenendkurs aufgewogen werden.“

Patientensicherheit sollte oberste Priorität haben, wir lehnen diese Maßnahme daher ab.
OMR Dr. Johannes Steinhart
Präsident der Ärztekammer Wien
Auch Edgar Wutscher, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, sieht keine Notwendigkeit für die Maßnahme. Österreich verfüge über einen gut ausgebauten niedergelassenen Bereich mit ausreichend Impfmöglichkeiten in den Ordinationen. Zur Steigerung der Impfraten solle vielmehr das Beschaffungs- und Bestellwesen der Impfstoffe optimiert werden.
Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, forderte stattdessen eine direkte Abgabe von Impfstoffen und Medikamenten in den Ordinationen im Sinne eines „One-Stop-Konzepts“.
Umsetzung ab 2027 geplant
Mit der geplanten Reform würde Österreich einem Modell folgen, das in mehreren europäischen Ländern bereits umgesetzt ist. Die Bundesregierung will den rechtlichen Rahmen noch heuer beschließen. Ab 2027 soll das Impfen in Apotheken österreichweit möglich sein.




