Start Wissenschaft Pharmakologie Himbeerherzen aus dem 3D-Drucker für die Kinderkrebsforschung

Himbeerherzen aus dem 3D-Drucker für die Kinderkrebsforschung

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Wenn Kinder an Krebs erkranken, ist die Medikamenteneinnahme oft eine zusätzliche Belastung. Ein Pilotprojekt in Hamburg ersetzt bittere Pillen durch 3D-gedruckte Himbeerherzen. Und: Im Kinderkrebsmonat September unterstützen Apotheken mit einer Spendenaktion die St. Anna Kinderkrebsforschung. 

Jedes Jahr erkranken weltweit rund 400.000 Kinder und Jugendliche an Krebs. In Österreich werden laut Statistik Austria jedes Jahr etwa 300 Kinder und Jugendliche mit einer Krebsdiagnose konfrontiert. 

Kindgerechte Arzneimittel: Herausforderung in der Kinderonkologie

Neben medizinischen und emotionalen Belastungen stellt die Einnahme von Medikamenten eine besondere Hürde dar. Bitter schmeckende Tabletten, große Kapseln und die Notwendigkeit, Wirkstoffe zu mörsern oder zu teilen, erschweren eine exakte Dosierung.

Apothekerinnen und Apotheker entwickeln dafür geeignete Darreichungsformen, beraten Familien und unterstützen Ärztinnen und Ärzte in der präzisen, sicheren Arzneimitteltherapie.

Himbeerherzen aus dem 3D-Drucker

Ein Pilotprojekt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, wie moderne Technologie den Alltag junger Patientinnen und Patienten erleichtern kann. Statt unhandlicher Tabletten erhalten Kinder dort individuell dosierte Kautabletten aus dem 3D-Drucker. Sie sind rot, süß, schmecken nach Himbeeren und können als Herz, Stern oder Gummibärchen gestaltet werden.

Das Prinzip: Der Wirkstoff bleibt unverändert, wird aber mit Bitterblockern, Süßungsmitteln und Aromastoffen geschmacklich überlagert. So lassen sich unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit besser in den Griff bekommen. Zudem ermöglicht der 3D-Druck eine passgenaue Dosierung je nach Körpergewicht – ein entscheidender Vorteil in der pädiatrischen Onkologie.

Forschung und Akzeptanz: erste Studienergebnisse

In einer Machbarkeitsstudie testete die UKE-Klinikapotheke den Einsatz des 3D-Drucks in der Medikamentenherstellung erfolgreich. Derzeit läuft eine klinische Untersuchung: Kinder mit Chemotherapie erhalten abwechselnd klassische Tabletten und die neuen Himbeerherzen. Anschließend werden Patienten, Eltern und Pflegekräfte zu Akzeptanz, Handhabung und Therapiesicherheit befragt.

Die UKE-Apotheker Dr. Adrin Dadkhah und Priv.-Doz. Dr. Claudia Langebrake sehen darin nicht nur eine kindgerechte Alternative, sondern auch einen wichtigen Schritt in Richtung personalisierter Medizin. Langfristig könnten 3D-Drucker dazu beitragen, Wirkstoffe zu kombinieren und Dosierungen flexibel im Therapieverlauf anzupassen.

Apotheker als Bindeglied in der Kinderkrebsforschung

Nicht nur technologische Innovationen, auch die tägliche pharmazeutische Arbeit leistet einen zentralen Beitrag. Wie die Österreichische Apothekerkammer auf ihrer Website berichtet, begleiten im Wiener St. Anna Kinderspital Apothekerinnen wie Mag. Christina Gradwohl und Mag. Maxine Krauss Kinder und Familien durch den Therapieprozess. Ihr Aufgabenspektrum reicht von der Teilnahme an Visiten über Arzneimittelinformation bis hin zur pharmazeutischen Beratung beim Off-Label-Use.

Ein wichtiger Grundsatz lautet dabei: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Pharmakokinetik und -dynamik unterscheiden sich erheblich, sodass individuelle Betreuung und kindgerechte Arzneiformen unverzichtbar sind.

Kindermedika.at: evidenzbasierte Datenbank

Die richtige Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern und Jugendlichen ist beim Off-Label-Use eine besondere Herausforderung. „Mit Kindermedika.at etwa gibt es dafür eine evidenzbasierte Informationsplattform, deren Datenbank dank internationaler Zusammenarbeit laufend aktualisiert bzw. erweitert wird. Sie ist kostenlos und für alle Apothekerinnen und Apotheker – auch außerhalb der Krankenhäuser – einsehbar“, erklärt Gradwohl, die auch dem Expertengremium der Plattform angehört. 

Spendenaktion in österreichischen Apotheken

Damit die Arbeit der St. Anna Kinderkrebsforschung weitergeführt werden kann, sind Spenden entscheidend. Im September – dem Childhood Cancer Awareness Month – stellen viele österreichische Apotheken Spendenboxen auf. Alle gesammelten Mittel kommen zur Gänze der St. Anna Kinderkrebsforschung zugute. Hier geht es zur Bestellmöglichkeit für die Spendenbox.

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