Der Österreichische Apothekerverband setzt 2026 auf direkten Austausch mit der Basis, neue Wege im PKA-Recruiting und steht gleichzeitig vor einer möglicherweise richtungsweisenden Wahl. Im PharmaNow-Gespräch skizziert das Präsidium die Themen der kommenden Monate – mit konkreten Auswirkungen auf Apotheken im ganzen Land.
Der Österreichische Apothekerverband steht vor einem Jahr mit Signalwirkung. Gleich mehrere Entwicklungen laufen parallel: Eine bundesweite Dialogoffensive soll die Anliegen der Mitglieder stärker einbinden, neue Instrumente sollen den Fachkräftenachwuchs sichern, und im Herbst steht eine Wahl an, die die strategische Ausrichtung der kommenden Jahre prägen wird.
Bundesländertour: Dialog auf Augenhöhe
Der Österreichische Apothekerverband sucht aktiv das Gespräch mit seinen Mitgliedern. Im Rahmen einer Tour durch alle Bundesländer im April gilt daher ein klarer Anspruch: zuhören statt vortragen.
Ziel ist es, ein realistisches Bild der aktuellen Situation in den Apotheken zu gewinnen. Wie stellt sich die wirtschaftliche Lage dar? Wo drückt außerdem der Schuh im Alltag? Und welche Themen brauchen aus Sicht der Betriebe rasch Lösungen?
Der Verband will Raum für diese Perspektiven schaffen. Auch große Themen wie Impfen in der Apotheke oder laufende Verhandlungen mit der Sozialversicherung sollen nicht abstrakt, sondern im direkten Austausch diskutiert werden.
Das Format setzt auf eine niederschwellige Atmosphäre. Gespräche, Vernetzung und Austausch stehen im Vordergrund – eine Weinverkostung bietet dafür einen genussvollen Rahmen.
PKA-Personalsituation: neue Tools für den Nachwuchs
Parallel dazu bleibt die Personalsituation ein zentrales Thema. Der Apothekerverband arbeitet seit Jahren daran, die Apotheke als attraktiven Arbeitsplatz zu positionieren.
Gefragt nach der aktuellen Situation in Bezug auf PKAs und PKA-Lehrlingen zeichnen die Betriebe dabei ein differenziertes Bild: Die Mehrheit bewertet die Situation als stabil. Gleichzeitig bestehen deutliche regionale Unterschiede. Besonders in Tirol, Kärnten und der Steiermark gestaltet sich die Suche nach Nachwuchs schwieriger.
Regionale Kampagnen auf TikTok sollen hier unterstützen: Ein Schwerpunkt liegt auf der Ansprache junger Menschen über digitale Kanäle, die bewusst in der Sprache der Zielgruppe gehalten sind.
„PKAtalent“: Unterstützung bei der Lehrlingsauswahl
Ein zentrales neues Instrument ist „PKAtalent – Der Lehrlingstest“. Dieses Online-Tool soll Apotheken helfen, Bewerberinnen und Bewerber besser einzuschätzen.
Der Test prüft grundlegende Kompetenzen wie Rechnen, Textverständnis aber auch logisches Denken. Das Ergebnis steht sofort zur Verfügung und kann direkt an die Wunschapotheke übermittelt werden. Ziel ist es, den persönlichen Eindruck durch objektive Kriterien zu ergänzen und die Auswahl zu erleichtern.
Für Betriebe bedeutet das vor allem eines: mehr Struktur im Recruiting-Prozess bei gleichzeitig geringem Aufwand.
Bewerbungsprozesse werden mobiler
Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Vereinfachung von Bewerbungen. Mit einem digitalen „Bewerbungsbuddy“ können Interessierte ihre Daten online eingeben und direkt an mehrere Apotheken in der Umgebung senden.
Für Apotheken eröffnet das zusätzliche Kontaktmöglichkeiten – gleichzeitig steigt die Erwartung an schnelle Rückmeldungen. Der Verband empfiehlt daher, auf passende Anfragen zeitnah zu reagieren.
Ergänzend soll in Kürze ein KI-gestützter Chatbot folgen. Damit will der Verband die Kommunikation noch stärker an die Erwartungen der jungen Generation anpassen.
Wahl 2026: Richtungsentscheidung für den Verband
Neben Dialogoffensive und Recruiting-Maßnahmen rückt heuer besonders ein drittes Thema in den Fokus: die Apothekerverbandswahl im Herbst 2026.
Mit dem Auslaufen der aktuellen Funktionsperiode steht möglicherweise eine personelle und inhaltliche Neuaufstellung an. Konkrete Kandidaturen sind noch offen. Aus dem bestehenden Präsidium gibt es Signale für Kontinuität. Gleichzeitig formieren sich – dem Vernehmen nach – weitere Gruppierungen, die künftig die Interessen der Apothekenbetriebe in die Hand nehmen wollen.
Fest steht: Die kommenden Monate werden vom Wahlkampf geprägt sein. Für die Apothekerschaft bedeutet das eine Phase intensiver Positionierung und Diskussion über die zukünftige Ausrichtung des Verbands – und die Zukunft der Apotheken.
Die wichtigsten Termine im Überblick
- bis 31. August: Feststehen der Kandidaturen
- 10. September: Versand der Wahlunterlagen
- 28. September: Frist für den Eingang der Stimmzettel
- 30. September: Auszählung der Stimmen
- 13. Oktober: Konstituierende Sitzung und Kandidaturen fürs Präsidium
- 5. November: Wahl des Präsidiums und der Rechnungsprüfer
Aktiv mitgestalten
Für Apotheken bedeutet dieses Jahr vor allem eines: die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen – im direkten Dialog, bei der Nutzung neuer Tools und nicht zuletzt durch die Ausübung des Wahlrechts im Herbst.




