Der APOkongress 2026 in Schladming steht ganz im thematischen Zeichen von neuen Biologika und Small Molecules. In ihrer traditionellen Eröffnungsrede betonte Kammerpräsidentin Ulrike Mursch-Edlmayr außerdem die künftige Rolle der Apotheken in Prävention, Impfen und telemedizinischer Versorgung, wenn es nach ihrem Plan geht.
Von 8.–11. März 2026 treffen sich Apothekerinnen und Apotheker aus ganz Österreich beim APOkongress der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming. Das diesjährige Kongressthema lautet „Biologika und Small Molecules an der Tara – von der Onkologie bis zur Dermatologie“.
Im Mittelpunkt stehen moderne Arzneimitteltherapien und deren Bedeutung für die pharmazeutische Praxis – von monoklonalen Antikörpern über neue Lipidsenker bis zu innovativen Therapien.
Das Tagungspräsidium bilden diesmal der habilitierte klinische Pharmakologe und wissenschaftliche Berater der EMA Univ.-Prof. Dr. Markus Zeitlinger sowie Mag.pharm. Heinz Haberfeld, dem Präsidenten der Niederösterreichischen Apothekerkammer.
Zur Eröffnung des Kongresses sprach Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr, Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer, über aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen und die zukünftige Rolle der Apotheke im Versorgungssystem, wenn es nach ihrem Plan geht.
Apotheke als Gesundheitszentrum der Zukunft
Mursch-Edlmayr nutzte ihre Rede, um die derzeit stattfindende Transformation der Apotheken zu skizzieren. Die klassischen Aufgaben würden zunehmend um neue Versorgungsleistungen erweitert.

Die Systeme verändern sich. Wir werden in Zukunft mehr sein als eine Arzneimittel- und Beratungsstelle in Österreich, sondern wir werden Gesundheitszentrum sein.
Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr
Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer
Dabei gehe es nicht nur um einzelne Projekte, sondern um ein umfassendes Versorgungskonzept für das österreichische Gesundheitssystem. Eine zentrale Rolle spiele dabei die stärkere Einbindung der Apotheken in Präventionsprogramme.
Impfen als Teil eines größeren Präventionskonzepts
Besonders aktuell ist das Thema Impfen in der Apotheke, das in den vergangenen Tagen gesundheitspolitisch intensiv diskutiert wurde (PharmaNow hat berichtet). Laut Mursch-Edlmayr habe die Bundesregierung nun einen entscheidenden Schritt gesetzt: „Ich bin wirklich froh, dass die Bundesregierung jetzt einmal dem Impfen den Pflock eingeschlagen hat und offiziell den Auftrag zur Umsetzung des Impfens in der Apotheke gegeben hat.“
Das Impfen sei jedoch nur ein Baustein eines umfassenderen Präventionssystems. Ziel sei ein strukturiertes Präventionsprogramm, bei dem Maßnahmen künftig digital hinterlegt und gezielt umgesetzt werden können – etwa über das E-Rezept.
In diesem System könnten für die Kammerpräsidentin Apotheken eine zentrale Rolle spielen, etwa durch niederschwellige Angebote und eine gezielte Ansprache der Patientinnen und Patienten.
Patientenströme besser steuern
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Lenkung von Patientinnen und Patienten im Gesundheitssystem. Apotheken übernehmen bereits heute einen großen Teil der Versorgung im Rahmen der betreuten Selbstmedikation. Gleichzeitig könnten sie künftig auch stärker in telemedizinische Modelle eingebunden werden.
Ein mögliches Szenario, dem gerade erst mit ApoDoc (PharmaNow hat berichtet) leben eingehaucht wurde: Patientinnen und Patienten konsultieren in der Apotheke einen Telearzt, während pharmazeutisches Personal diagnostische Basisparameter oder Akutlaborwerte bereitstellt. Der Arzt kann anschließend Diagnose, Therapie und E-Rezept ausstellen. Der Patient bzw. die Patientin verlässt die Apotheke im Idealfall mit Diagnose und Medikament.

Der Telearzt kann dann eine sichere Diagnose stellen, eine Therapie einleiten, ein E-Rezept ausstellen und der Patient kann mit dem Arzneimittel versorgt nach Hause gehen – das kann sonst keiner.
Mag.pharm. Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr
Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer
Neue Leistungen für jede Apotheke
Die Kammerpräsidentin betonte, dass diese neuen Versorgungsmodelle, die die Kammer momentan auf „aufgleise“ nicht nur für große Apotheken gedacht seien: „Das ist nicht irgendein Projekt für große Apotheken und für Personal. Das ist ein Projekt für jede Apotheke.“
Je nach regionaler Versorgungssituation könnten Apotheken unterschiedliche Angebote nutzen – etwa Präventionsleistungen, Impfangebote oder telemedizinische Konsultationen.
Breites wissenschaftliches Kongress-Programm
Nach der Eröffnung ging es tief in die Thematik des Kongresses. Der fachliche Schwerpunkt liegt dabei auf modernen Arzneimitteltherapien und deren praktischer Relevanz für Apotheken.
Zu den Themen zählen unter anderem:
- Rekombinante Antikörper in der Therapie von Autoimmun- und Tumorerkrankungen
- Protease- und Tyrosinkinase-Inhibitoren
- GLP-1-, Dual- und Polyagonisten bei Diabetes und Adipositas
- Neue Lipidsenker wie PCSK9-Inhibitoren oder Inclisiran
- Biologika bei Asthma und Allergien
- Moderne Therapien bei Alzheimer, Migräne, Multipler Sklerose oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
- Hämato-Onkologie
- SGLT-2-Inhibitoren
Ergänzt wird das Programm durch Workshops – etwa zum Nebenwirkungsmanagement oraler Onkologika oder zur praktischen Anwendung von GLP-1-Agonisten.
Fortbildung und berufspolitischer Austausch
Neben den wissenschaftlichen Vorträgen stehen auch berufspolitische Themen auf dem Programm. So behandelt ein eigener Programmpunkt die Einführung des Impfens in der Apotheke, ein weiterer beschäftigt sich mit der digitalen Sichtbarkeit von Apotheken.
Für die Teilnahme am gesamten Kongress werden 40 Fortbildungspunkte (AFP) vergeben.
Mit dem breiten Themenspektrum will der APOkongress auch 2026 eine zentrale Plattform für Fortbildung, Diskussion und Austausch innerhalb der österreichischen Apothekerschaft bieten.




