Start Wissenschaft Frühgeborene haben heute gute Chancen auf ein erfülltes Erwachsenenleben

Frühgeborene haben heute gute Chancen auf ein erfülltes Erwachsenenleben

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Die Mehrheit der Menschen, die sehr früh oder mit sehr geringem Geburtsgewicht zur Welt gekommen sind, führt laut einer Langzeitstudie im Erwachsenenalter ein gesundes und erfülltes Leben. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass ein Teil der Betroffenen weiterhin mit sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert ist.

Menschen, die vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1.500 Gramm geboren wurden, haben heute gute Chancen auf ein gesundes und erfülltes Erwachsenenleben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Langzeitstudie der Universität Warwick, die im Fachjournal JAMA Paediatrics veröffentlicht wurde. Grundlage der Untersuchung sind Daten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Bayern, die über einen Zeitraum von 34 Jahren begleitet wurden.

Mehrheit entwickelt sich gut

An der Studie nahmen insgesamt 416 Personen teil, rund die Hälfte davon ehemalige Frühgeborene oder Menschen mit sehr niedrigem Geburtsgewicht. Laut den Forschenden erreichte etwas mehr als die Hälfte dieser Gruppe in den Bereichen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen eine optimale Funktionsfähigkeit im Erwachsenenalter.

„Unsere Daten zeigen, dass etwas mehr als die Hälfte der sehr frühgeborenen oder mit sehr geringem Geburtsgewicht geborenen Kinder in den Bereichen Risikovermeidung, Wohlstand und soziale Beziehungen eine optimale Funktionsfähigkeit aufwiesen“, sagte Elif Gönen vom Institut für Psychologie der Universität Warwick.

Rund jeder Fünfte hat langfristige Schwierigkeiten

Die Studie zeigt aber auch, dass nicht alle Betroffenen gleichermaßen von den Fortschritten in der Neonatologie profitieren. Rund 18 Prozent der ehemaligen Frühgeborenen schnitten in den untersuchten Lebensbereichen schlecht ab. In der Vergleichsgruppe der reif geborenen Teilnehmer waren es 1,5 Prozent.

„Es gibt jedoch eine beträchtliche Minderheit, die nach wie vor mit echten Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Und diese Menschen berichten uns, dass ihr Leben schwer und nicht besonders erfüllend sei“, erklärte Prof. Dieter Wolke, Leiter der Studie.

Nach Angaben der Forschenden betreffen diese Herausforderungen unter anderem die finanzielle Situation sowie soziale Beziehungen und Partnerschaften.

Kognitive Entwicklung als Einflussfaktor

Die Forschenden untersuchten auch, welche Faktoren mit der langfristigen Entwicklung ehemaliger Frühgeborener zusammenhängen. Dabei spielten neben sozialen und gesundheitlichen Aspekten auch Ergebnisse standardisierter Intelligenztests eine Rolle. Prof. Dieter Wolke verweist auf frühere Untersuchungen, wonach bei einer Geburt vor der 33. Schwangerschaftswoche im Durchschnitt niedrigere Werte in Intelligenztests beobachtet wurden. Die Autoren betonen jedoch, dass sich daraus keine Rückschlüsse auf den individuellen Lebensverlauf ziehen lassen.

Medizinischer Fortschritt verbessert die Perspektiven

Die Forschenden betonen, dass sich die Überlebenschancen von Frühgeborenen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verbessert haben. Gleichzeitig sehen sie Potenzial, die langfristige Entwicklung durch eine gezielte Förderung in den ersten Lebensjahren weiter zu unterstützen. Nach Angaben von Prof. Dieter Wolke sind die Ergebnisse auf Gesundheitssysteme mit vergleichbaren Versorgungsstrukturen grundsätzlich übertragbar.

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