Zwei Menschen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Die Wissenschaft erklärt, warum das selten echte Gleichheit ist und weshalb unser Gehirn uns dabei täuscht. Forschende der Universität Witten Herdecke ordnen das Phänomen aus genetischer und psychologischer Sicht ein.
Ähnliche Gesichter sorgen immer wieder für Erstaunen. Prominente Beispiele wie Keira Knightley und Natalie Portman verstärken den Eindruck, es könne echte Doppelgänger geben. Aus wissenschaftlicher Sicht ist diese Annahme jedoch irreführend. Genetisch identische, nicht verwandte Menschen kommen praktisch nicht vor.
Genetische Vielfalt schließt Gleichheit aus
Der menschliche Genpool ist enorm vielfältig. Identische Erbinformation findet sich nur bei eineiigen Zwillingen, in seltenen Fällen auch bei Drillingen. Bei allen anderen Menschen wird das Erbgut bei jeder Generation neu kombiniert. Mütterliche und väterliche Chromosomen werden dabei neu zusammengesetzt. So entstehen selbst innerhalb von Familien deutliche Unterschiede.
Zwei beliebige Menschen unterscheiden sich im Durchschnitt an Millionen Stellen ihres Genoms. Diese Unterschiede betreffen den gesamten genetischen Bauplan und beeinflussen etwa Aussehen, Stoffwechsel oder Krankheitsanfälligkeit. Gleichzeitig prägt nur ein kleiner Teil der rund 20.000 Gene unser äußeres Erscheinungsbild. Vor allem Gene für Gesichtszüge, Haut, Haare, Augenfarbe und Körperproportionen spielen hier eine Rolle.
Da diese Merkmale aus dem Zusammenspiel vieler genetischer Varianten entstehen, können sich ähnliche Kombinationen wiederholen. Das führt dazu, dass Menschen einander ähnlich sehen, ohne genetisch ident zu sein.
Wie unser Gehirn ähnliche Gesichter einordnet
Dass wir dennoch häufig an Doppelgänger glauben, liegt vor allem an unserer Wahrnehmung. Die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, ist unterschiedlich stark ausgeprägt. Manche Menschen können sich Gesichter sehr genau merken, andere haben selbst bei vertrauten Personen Schwierigkeiten.
Das Gehirn verarbeitet Gesichter nicht als Sammlung einzelner Merkmale, sondern als Gesamtbild. Mimik, Frisur, Haltung und Umgebung fließen in die Wahrnehmung ein. Diese schnelle Einordnung ist effizient, aber fehleranfällig. Menschen werden oft nicht allein am Gesicht erkannt, sondern auch am Kontext. Man erkennt beispielsweise die Apothekenangestellte im weißen Mantel in der Apotheke, aber trifft man sie im Supermarkt, fällt es manchmal schwer, sie zuzuordnen.
Hinzu kommt, dass Erinnerungen Gesichter vereinfacht speichern. Fehlende Details ergänzt das Gehirn nachträglich und dadurch werden Ähnlichkeiten verstärkt. Was als Doppelgänger erscheint, ist daher meist eine Kombination aus ähnlichen äußeren Merkmalen und kognitiven Abkürzungen.




