Start Wissenschaft Grazer Studie identifiziert FSME-Angriffspunkt 

Grazer Studie identifiziert FSME-Angriffspunkt 

Forschende haben einen zentralen Angriffspunkt des FSME-Virus im menschlichen Körper identifiziert. Die Ergebnisse der internationalen Studie könnten neue Perspektiven für das Verständnis der durch Zecken übertragenen Erkrankung eröffnen.

Die durch Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann schwere Entzündungen des Zentralnervensystems verursachen. Während eine Impfung wirksam schützt, fehlen bislang gezielte antivirale Therapien. Genau hier setzt eine neue Studie der Medizinischen Universität Graz an.

Große internationale Studie

Ein internationales Forschungsteam untersuchte genetische Faktoren, die beeinflussen könnten, wie anfällig Menschen für eine FSME-Erkrankung sind. Dabei rückte ein Gen in den Mittelpunkt, das bisher vor allem aus dem Cholesterinstoffwechsel bekannt war.

Für die Untersuchung initiierte die Medizinische Universität Graz gemeinsam mit Partnerinstitutionen aus neun europäischen Ländern eine internationale Forschungskooperation. Insgesamt wurden 1.600 Patientinnen und Patienten genetisch analysiert. Mittels einer genomweiten Assoziationsstudie werteten die Forschenden rund 700.000 genetische Varianten pro Person aus und verglichen sie mit Daten gesunder Kontrollgruppen.

Gen beeinflusst Virusvermehrung

Die Analyse zeigte eine auffällige Verbindung zu einer Variante im ABCG1-Gen. Das Gen spielt eine wichtige Rolle beim Transport von Cholesterin innerhalb der Zelle. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass bestimmte Varianten dieses Gens das Risiko für eine FSME-Erkrankung erhöhen könnten. Laboruntersuchungen lieferten einen weiteren Hinweis auf die mögliche Bedeutung des Gens: Wurde ABCG1 in Zellkulturen gezielt blockiert, konnte sich das FSME-Virus deutlich schlechter vermehren.

Die Forschenden sehen darin einen möglichen Ansatzpunkt für künftige therapeutische Strategien, auch wenn bis zu einer klinischen Anwendung noch weitere Studien notwendig sind.

© Med Uni Graz

Unsere Ergebnisse sprechen stark dafür, dass ABCG1 ein zentraler Angriffspunkt des FSME-Virus im menschlichen Körper ist“, erklärt Werner Zenz. „Damit eröffnen sich völlig neue Perspektiven für das Verständnis der Erkrankung – und langfristig möglicherweise auch für therapeutische Ansätze.

Univ.-Prof. Dr. Werner Zenz
Studienleiter, Forschung und Pädiatrie MedUni Graz

Relevanz für Österreich

Österreich ist ein Zeckenhochland (PharmaNow hat berichtet). FSME ist weiterhin ein relevantes Gesundheitsproblem. Trotz verfügbarer Impfung werden jährlich 100 bis 200 Erkrankungsfälle registriert. Der Verlauf kann schwer sein. Viele Patientinnen und Patienten berichten auch nach der akuten Phase über anhaltende neurologische Beschwerden. Vorübergehende Lähmungen treten bei einem Teil der Betroffenen auf, in seltenen Fällen verläuft die Erkrankung tödlich.

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