Chronische Entzündungen im Mundraum erhöhen laut einer US-Studie das Risiko für ischämische Schlaganfälle deutlich. Besonders gefährdet sind Personen, die sowohl an Parodontitis als auch an Karies leiden. Denn ihr Risiko lag um 86 Prozent höher als bei Menschen mit gesunder Mundflora. Deshalb empfehlen die Studienautorinnen und -autoren eine konsequente Zahnpflege, da sie zur Schlaganfall-Prävention beitragen kann.
Eine neue US-Studie unter Leitung von Souvik Sen von der University of South Carolina zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen chronischen Zahnkrankheiten und dem Risiko für ischämische Schlaganfälle. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.
„Parodontitis und Karies sind weit verbreitete chronisch entzündliche Erkrankungen der Mundhöhle, die mit systemischen Gesundheitsfolgen einhergehen“, schreiben die Forschenden. „Beide Erkrankungen erhöhen einzeln betrachtet das Risiko für ischämische Schlaganfälle (…)“.
Langzeitdaten von knapp 6.000 Personen
Für die Analyse nutzten die Forschenden Daten von 5.986 Probanden aus der sogenannten ARIC-Studie (Atherosclerosis Risk in Communities), die zwischen 1996 und 1998 auch zahnmedizinisch untersucht worden waren. Darüber hinaus waren alle Teilnehmenden zu Beginn der Beobachtung gesund.
Die Beobachtungsdauer betrug durchschnittlich 21 Jahre. In dieser Zeit zeigten sich deutliche Unterschiede je nach Zahnstatus:
- 4,1 Prozent der Teilnehmenden mit guter Zahngesundheit erlitten einen Schlaganfall.
- Bei Personen mit Parodontitis ohne Karies stieg dieser Wert auf 6,9 Prozent.
- Bei Parodontitis plus Karies lag die Häufigkeit bei 10 Prozent.
Risikoanstieg um bis zu 86 Prozent
Nach statistischer Bereinigung aller bekannten Einflussfaktoren zeigte sich: Parodontitis und Karies in Kombination erhöhten das Risiko für einen Schlaganfall um 86 Prozent. Außerdem traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse insgesamt traten um 36 Prozent häufiger auf.
Zugleich lieferte die Studie auch eine gute Nachricht: Regelmäßige Zahnpflege und Zahnarztbesuche waren mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit verbunden, einen Schlaganfall zu erleiden. Bei Parodontitis (minus 19%) und für Parodontitis plus Karies (minus 81%)
Relevanz für Apotheken und Präventionsberatung
Für Apotheken ergibt sich daraus ein relevanter Ansatzpunkt für die interdisziplinäre Präventionsberatung. Denn Hinweise auf Zahn- und Mundgesundheit könnten im Rahmen von Beratungen zur Schlaganfall- oder Herz-Kreislauf-Prävention künftig stärker berücksichtigt werden.




