Nach mehreren Verhandlungsrunden konnte bei den Kollektivverträgen 2026 für angestellte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten sowie für PKAs und Apothekenhilfspersonal eine Einigung erzielt werden. Die KV-Abschlüsse unterscheiden sich je nach Berufsgruppe in Laufzeit, Höhe der Anpassungen und strukturellen Details.
Kollektivvertrag für angestellte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten
Nach mehreren, teils schwierigen Verhandlungsrunden haben sich der Österreichische Apothekerverband und der Verband Angestellter Apothekerinnen und Apotheker Österreichs (VAAÖ) schließlich doch noch auf einen neuen Kollektivvertrag für angestellte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten geeinigt.
Laufzeit und Anpassungsrahmen
Der Abschluss gilt für 16 Monate (statt bisher 12) und läuft bis 30. April 2027. Grundlage der Verhandlungen war eine rollierende Inflation von 3,0 Prozent (Betrachtungszeitraum: Oktober 2024 bis September 2025).
Die Schemagehälter steigen um durchschnittlich 2,56 Prozent. Damit liegt der Gehaltsabschluss unter der herangezogenen Inflationsrate.
Weitere Anpassungen im Detail
Neben den Schemagehältern wurden weitere kollektivvertragliche Komponenten angepasst:
- Ausgleichszulage: Erhöhung um 40,50 Euro auf 1.666,00 Euro
- Leiterzulage: 1.578,10 Euro monatlich
- Stellvertretende Leiterzulage: 31,56 Euro pro Tag
- Bereitschaftsdienst-Grundstunde: 39,83 Euro plus Zuschlag 19,91 Euro (gesamt 59,74 Euro)
- Nachtdienstpauschale: Erhöhung um 3,5 Prozent auf
- Grundlohn 134,34 Euro
- Zuschlag 117,47 Euro
- gesamt 251,81 Euro
Auch die Inanspruchnahmegebühren wurden angepasst:
- Sonn- und Feiertage, werktags 18:00–20:00, Samstagnachmittag sowie Weihnachten und Silvester: 3,32 Euro
- Nachts 20:00–1:00 und 7:00–8:00: 6,52 Euro
- Nachts 1:00–7:00: 14,44 Euro
Einordnung der Sozialpartner
Der 16-monatige Abschluss bedeutet für den Österreichischen Apothekerverband eine höhere Planungssicherheit für die Betriebe. Zudem ermögliche die Verschiebung des Betrachtungszeitraums eine stärkere Orientierung an bereits vorliegenden Wirtschaftsdaten früherer Perioden.
Der VAAÖ bezeichnet den Abschluss als einen „Abschluss mit Augenmaß“. Aus Sicht des Verbands decke die Gehaltserhöhung rund 85 Prozent der Teuerung ab. Ziel sei es gewesen, sowohl Einkommensanpassungen zu ermöglichen als auch Arbeitsplätze in wirtschaftlich angespannten Betrieben abzusichern.
Beide Seiten betonen, dass die nächste Verhandlungsrunde im ersten Quartal 2027 starten soll. Künftige Gehaltsanpassungen sollen dann ab Mai 2027 und nicht mehr – wie bisher – ab Jänner wirksam werden.
Kollektivvertrag für PKAs und Apothekenhilfspersonal
Unabhängig davon wurde auch der Kollektivvertrag für PKAs, PKA-Lehrlinge und Apothekenhilfskräfte neu abgeschlossen. Verhandlungspartner waren der Österreichische Apothekerverband sowie die Gewerkschaften GPA und vida. Die Verhandlungsparteien einigten sich in der zweiten Verhandlungsrunde am 18. Dezember 2025.
Ausgangsbasis und Anpassungen
Grundlage der Verhandlungen war eine rollierende Inflation von 3,2 Prozent. Für das Jahr 2026 wurden folgende Anpassungen vereinbart:
- PKA (Beschäftigungsgruppe 4) und Reinigungspersonal (Verwendungsgruppe 2):
durchschnittliche Erhöhung um 2,75 Prozent - Übrige Beschäftigungs- und Verwendungsgruppen sowie Lehrlinge:
Erhöhung um 2,5 Prozent
Darüber hinaus wurde für die PKA-Beschäftigungsgruppe 4 eine Mindestanhebung von 75 Euro vereinbart. Diese führt laut Gewerkschaft in den unteren Beschäftigungsgruppenjahren zu einer Steigerung von bis zu 3,3 Prozent und außerdem zu einer durchschnittlichen Erhöhung von 2,8 Prozent innerhalb dieser Beschäftigungsgruppe.
Das Einstiegsgehalt für ausgebildete PKAs beträgt ab 1. Jänner 2026 künftig 2.372,00 Euro.
Einordnung durch die Sozialpartner
Aus Sicht der Gewerkschaft GPA stellt der Abschluss einen tragfähigen Kompromiss dar:

Mit dem Kollektivvertragsabschluss für Pharmazeutisch-kaufmännische Assistent:innen konnten wir eine nachhaltige Gehaltserhöhung für alle Kolleginnen und Kollegen erzielen, die tagtäglich eine essentielle Stütze unseres Gesundheitssystems darstellen
Mario Ferrari
Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft GPA
Ferrari verweist außerdem auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen beider Seiten: „Die wirtschaftliche Ausgangssituation war für beide Seiten schwierig. Die Beschäftigten leiden ebenso wie die Unternehmen unter der anhaltenden Teuerung. Umso wichtiger ist es, dass wir mit dem erzielten Abschluss einen verantwortungsvollen Kompromiss sowie schnelle Planbarkeit und Sicherheit für beide Seiten erzielen konnten.“
Ein zentrales Anliegen sei zudem die langfristige Attraktivierung des Berufs: „Besonders zentral ist es für uns, dass sich beide Seiten zu einer Attraktivierung des Berufs bekennen. Ziel ist es, sowohl die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte in Apotheken zu verbessern als auch die Konkurrenzfähigkeit am Arbeitsmarkt langfristig sicherzustellen.“
Der Österreichische Apothekerverband verweist seinerseits auf die wirtschaftliche Situation der Apothekenbetriebe und die gewählte Staffelung. Mag.pharm. Corinna Prinz-Stremitzer, KV-Chefverhandlerin des Verbands, hält fest:

KV-Verhandlungen sind immer ein Ringen um Lösungen, die für beide Seiten fair sind. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage, die die Apotheken unmittelbar trifft, ist das mit dem Gehaltsabschluss für 2026 gut gelungen.
Mag.pharm. Corinna Prinz-Stremitzer
KV-Chefverhandlerin des Österreichischen Apothekerverbands
Der Kollektivvertrag sehe eine soziale Staffelung vor, „die den unteren Einkommensgruppen stärkere Gehaltszuwächse ermöglicht“. Insgesamt seien die Erhöhungen für PKAs, PKA-Lehrlinge und Apothekenhilfspersonal auf einem Niveau, „das für die Betriebe verkraftbar ist“, so der Apothekerverband.
Zwei Abschlüsse mit unterschiedlichen Schwerpunkten
Mit den Kollektivvertragsabschlüssen 2026 wurden für beide Berufsgruppen verbindliche Rahmenbedingungen geschaffen. Für angestellte Pharmazeutinnen und Pharmazeuten wurde dabei ein 16-monatiger Abschluss mit moderaten Gehaltsanpassungen und mehreren strukturellen Erhöhungen vereinbart, der eine zeitliche Verschiebung des Anpassungszeitraums vorsieht. Der Abschluss für PKAs und Apothekenhilfspersonal bringt gestaffelte Lohn- und Gehaltserhöhungen ab Jänner 2026, mit stärkeren Anhebungen in unteren Einkommensgruppen sowie einem etwas gestiegenen Einstiegsgehalt. Beide Abschlüsse berücksichtigen, wie betont wird, die jeweilige wirtschaftliche Ausgangslage der Berufsgruppen und gelten zudem für klar definierte – künftig unterschiedliche – Zeiträume.
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