Start Apotheke Tara Mehr als Optik: Wenn der Körper alle Haare verliert

Mehr als Optik: Wenn der Körper alle Haare verliert

Es ist kein Geheimnis, dass die meisten Menschen an ihren Haaren hängen. Wenn der Körper die eigenen Haarfollikel angreift und Haare ausfallen, wird es als optischer Mangel angesehen. Was viele nicht wissen – diese Krankheit schränkt Betroffene nicht nur in einem Bereich ein.

von Annalena Thüncher

Gesundheit umfasst laut WHO das Zusammenspiel zwischen körperlichem, geistigem und sozialem Wohlbefinden. Bei Alopecia Universalis – dem Haarausfall am gesamten Körper – leiden Betroffene in allen Bereichen. „Ich habe sehr viel Ausgrenzung erlebt und dadurch mit Depressionen zu kämpfen gehabt“, schildert Lisa Masser, 28, die seit dem Grundschulalter mit der seltenen Krankheit zu kämpfen hat. Sie ist Mitgründerin des Vereins „Haarausfall Österreich“ und informiert Außenstehende.

Der Körper greift sich selbst an

Meist geht eine Alopecia Universalis aus dem kreisrunden Haarausfall, Alopecia arreata, hervor. Die Entwicklung vom kreisrunden zum universellen Haarausfall läge, laut aktueller Forschung, an einer Häufung von Autoimmunerkrankungen. „Alopecia Universalis entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel von genetischen Voraussetzungen und autoimmunen Prozessen“, sagt DDr. Martin Torzicky, ein Dermatologe aus Wien. Rund ein Viertel der Betroffenen ist mit weiteren Autoimmunerkrankungen diagnostiziert. Die Auslöser der Krankheit sind externe Faktoren. Oft liegt der Ausbruch an Stress, hormonellen Veränderungen und Virusinfektionen. Lisa Masser betont, dass „der Stress auf die Haare schlägt“ und nachgewachsenes Haar wieder ausfällt.

Behandlungsmöglichkeiten sind vielversprechend

Bei ärztlicher Behandlung wird systemisch, von innen, gearbeitet. Für punktuelle äußerliche Therapien ist die Krankheit zu umfassend, sagt DDr. Torzicky. Er behandelt mit Januskinase–Inhibitoren. Diese werden oral eingenommen und verhindern, dass Enzyme Entzündungssignale weiterleiten. Das Medikament Baricitinib, wirkt bei fast der Hälfte der Patienten nach einem dreiviertel Jahr der ersten Behandlung. Alternativ kommt die Platelet-Rich Plasma (PRP) Therapie zum Einsatz. Hier wird körpereigenes, plättchenreiches Plasma injiziert, um die Heilung der Gewebeschäden zu fördern. Derzeit sind allerdings die Januskinase–Inhibitoren, die erfolgreichste Behandlungsart. „Rückfälle sind bei allen Therapiearten aktuell die größte Herausforderung bei Alopecia Universalis“, so DDr. Martin Torzicky.

DDr Martin Torzicky - MedUni Wien
© Foto- Fotostudio Wilke

Alopecia Universalis entsteht durch
ein komplexes Zusammenspiel von genetischen Voraussetzungen und autoimmunen Prozessen.

DDr. Martin Torzicky
Dermatologe aus Wien

Pharmazeuten können unterstützen

Die Betreuung durch Pharmazeutinnen und Pharmazeuten ist wichtig für Betroffene. Da der Körper die gesamte Behaarung verliert, besitzt er die äußerliche Schutzfunktion der Haare nicht mehr. Um die Haut anderweitig zu schützen, sollten Patienten Wert auf hochwertige Sonnenschutzmittel legen. Laut DDr. Torzicky, können Apotheker auf Interaktionen und Doppelverordnungen des Patienten eingehen. Außerdem sollten sie über Therapieoptionen und psychologische Beratung aufklären und auf regelmäßige Laborkontrollen hinweisen. Wenn der Betroffene auch Methotrexat einnimmt, ist ein Alkoholverzicht ratsam.

Haarausfall bekommt mehr Aufmerksamkeit

Die Weiterentwicklungen der Januskinase–Inhibitoren sind vielversprechend, sagt DDr. Torzicky. In der Zell- und Gentherapie wird das Risiko bei Autoimmunreaktionen erforscht. Lisa Masser steht mittlerweile zu ihrer Glatze und bietet Betroffenen eine Ansprechpartnerin.

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Dieser Artikel ist Teil einer Serie, die von Studierenden der Hochschule Ansbach für PharmaTime produziert wurde. Die Autorinnen und Autoren besuchen derzeit das Bachelorstudium Ressortjournalismus. Die Lehrredaktion leitete Journalismustrainer Markus Feigl aus St. Pölten.

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