Start Wissenschaft Medizin KI bei Thrombose-Aufklärung besser als Ärzte

KI bei Thrombose-Aufklärung besser als Ärzte

Werbung

Eine Studie der MedUni Wien zeigt: KI-Sprachmodelle schneiden bei der Patientenaufklärung über venöse Thromboembolien besser ab als Fachleute. Bei komplexen Entscheidungen waren die Empfehlungen oft gleichwertig.

In einer internationalen Studie haben Forschende der MedUni Wien die Fähigkeiten von KI-Sprachmodellen mit jenen von Thrombose-Expertinnen und -Experten verglichen. 

Die Ergebnisse: In der Aufklärung von Patientinnen und Patienten über venöse Thromboembolien (VTE) schnitten KI-Modelle teils besser ab als Fachärztinnen und Fachärzte. Auch bei klinischen Entscheidungssituationen waren die KI-Antworten in vielen Fällen ebenbürtig.

KI überzeugte bei Patientenaufklärung

Das Team um Nikola Vladic und Cihan Ay von der Universitätsklinik für Innere Medizin I (Klinische Abteilung für Hämatologie und Hämostaseologie) der MedUni Wien untersuchte drei weit verbreitete Sprachmodelle (ChatGPT-4.5, DeepSeek-R1, Le Chat Pixtral Large). 

Deren Antworten auf medizinische Fragen wurden in einer verblindeten Bewertung durch Ärzte aus 18 Ländern mit jenen international renommierter Thrombose-Experten verglichen.

„Besonders im Bereich der Patientenaufklärung konnte die KI mit klaren, verständlichen und strukturierten Antworten überzeugen“, erklärt Erstautor Vladic. Die Antworten wurden sogar „von den unabhängigen Gutachtern besser bewertet als jene der Experten“.

Klinische Empfehlungen oft vergleichbar

Für die komplexen klinischen Fallbeispiele zogen die Forschenden unter anderem eine Lungenembolie bei einem jungen Mann ohne Risikofaktoren, eine tiefe Beinvenenthrombose bei einer jungen Frau sowie einen Tumorpatienten mit Blutungskomplikationen heran. 

Die Empfehlungen der Sprachmodelle waren dabei mit jenen von Spezialisten vergleichbar. Das Modell DeepSeek-R1 schnitt in der klinischen Entscheidungsfindung sogar signifikant besser ab als die Experten. Die Gutachterinnen und Gutachter konnten nicht zwischen Expertenantworten und KI-generierten Antworten unterscheiden.

Medizinische Verantwortung bleibt bei Menschen

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass KI-Sprachmodelle das ärztliche Handeln sinnvoll ergänzen können – vorausgesetzt, es gibt klare Rahmenbedingungen für ihren Einsatz“, so Cihan Ay. Zentrale Herausforderungen, so Ay, bleiben dabei Datenschutz, die aktuelle Evidenzlage und die medizinische Verantwortung.

Die Forschenden warnen aber auch: Eine unkritische Nutzung könne zu Wissensverlust bei jungen Medizinerinnen und Medizinern führen. KI könne das ärztliche Urteil nicht ersetzen, wohl aber unterstützen – etwa in der Patientenaufklärung, als Entlastung im Alltag oder als Entscheidungshilfe in komplexen Fällen.

Originalpublikation (Journal Pre-proof):

Vladic Nikola et al. Large language models versus thrombosis experts: A comparative study on patient education and clinical decision-making in venous thromboembolism. Journal of Thrombosis and Haemostasis (2025).

PharmaTime widmete dem Thema Telemedizin, Dr. ChatGPT & Co. einen eigenen, umfangreichen Schwerpunkt in der Ausgabe 9/2025.
Dieser Beitrag könnte Sie auch interessieren:
Jeder Zehnte vertraut KI mehr als Ärzten

Neue Artikel

KI könnte Tierversuche in der Pharmaforschung deutlich reduzieren

Ein neues System generativer künstlicher Intelligenz soll die Zahl von Tierversuchen in der frühen Arzneimittelentwicklung um bis zu 50...

Impfstoffname mNEXSPIKE: Was hinter den Spekulationen zur Namensgebung steckt

In Sozialen Medien wird die Bezeichnung des neuen COVID-19-Impfstoffs mNEXSPIKE von Moderna derzeit kontrovers diskutiert. Einzelne Beiträge leiten den...

Weibliche Genitalverstümmelung: Mehr Sensibilisierung im Gesundheitswesen 

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) betrifft auch in Österreich tausende Mädchen und Frauen. Gesundheitsbehörden, die Österreichische Ärztekammer und die FGM/C-Koordinationsstelle wollen...

Christian Högl läuft 2.000 Kilometer für Schmetterlingskinder

Der Niederösterreicher Christian Högl startet am 9. Juni zu einem außergewöhnlichen Benefizlauf von Wien nach Nizza. Mit der Aktion...

 Weitere Artikel

KI könnte Tierversuche in der Pharmaforschung deutlich reduzieren

Ein neues System generativer künstlicher Intelligenz soll die Zahl von Tierversuchen in der frühen Arzneimittelentwicklung um bis zu 50...

Impfstoffname mNEXSPIKE: Was hinter den Spekulationen zur Namensgebung steckt

In Sozialen Medien wird die Bezeichnung des neuen COVID-19-Impfstoffs mNEXSPIKE von Moderna derzeit kontrovers diskutiert. Einzelne Beiträge leiten den...

Weibliche Genitalverstümmelung: Mehr Sensibilisierung im Gesundheitswesen 

Weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C) betrifft auch in Österreich tausende Mädchen und Frauen. Gesundheitsbehörden, die Österreichische Ärztekammer und die FGM/C-Koordinationsstelle wollen...